Schatten der Wahrheit
(What lies beneath)

USA, 130min
R:Robert Zemeckis
B:Sarah Kernochan, Clark Gregg
D:Harrison Ford,
Michell Pfeiffer,
Diana Scarwid,
Joe Morton
L:IMDb
„Du hast den Geisterpantoffel gestohlen.”
Inhalt
Ein Jahr ist vergangen, seit Dr. Norman Spencer (Harrison Ford) seine schöne Gattin Claire (Michelle Pfeiffer) betrogen hat. Da Claire die Wahrheit nicht kennt, und die Affäre vorbei ist, sind Normans Leben und Ehe scheinbar perfekt - so perfekt, daß Norman - als Claire ihm von den mysteriösen Stimmen erzählt, die sie hört und dem Geisterbild einer jungen Frau, das in ihrem Haus auftaucht - ihre wachsende Angst als Wahnvorstellung abtut. Als Claire jedoch der Wahrheit näherkommt, wird deutlich, daß sich dieser Geist nicht einfach verdrängen läßt.
Kurzkommentar
Wer sich mal wieder Erschrecken möchte ohne in einen mit Blut überströmten Teenies besetzten Slashermovie zu gehen, darf ruhig einen Blick auf den feinfühlig inszenierten "Schatten der Wahrheit" werfen. Fans von Regisseur Zemeckis, aber auch Fans von Harrison Ford dürften sich hingegen reichlich enttäuscht vorkommen. Die Story bleibt nicht dumm, aber belanglos und unspektakulär und weiß leider in keiner Minute richtig zu fesseln oder zu berühren.
Kritik
Ich muß sagen, ich war schon immer Fan von Robert Zemeckis. Ob seine Vorzeige-Funmovies "Zurück in die Zukunft" und "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" oder seine wohldosiert mit Special Effects durchsetzten, erzählerisch starken 90er Produktionen "Forrest Gump" und "Contact". Gerade Letzterer hat mich aufgrund seines intelligenten Grundtenors in hohem Maße beeindruckt. Umso höher die Erwartungen an einen neuen Zemeckis, der zusätzlich noch mit Harrison Ford, seines Zeichens immer noch einer, wenn nicht der charismatischste Hollywood-Darsteller schlechthin, aufwarten kann.

Doch schon nach fünfzehn Minuten seines neuesten Films ist jegliche Faszination, die seine früheren Werke ausgezeichnet haben, verflogen. Dann, wenn alle relevanten Charaktere vorgestellt wurden, das Szenariopulver verschossen ist und die wenigen Überraschungen des Films bei über zwei Stunden Laufzeit nur sporadisch für etwas Spannung sorgen. Dabei ist "Schatten der Wahrheit" seltsamerweise keine Sekunde richtig langweilig, sondern wirkt eher uninteressant und belanglos. Zemeckis ist handwerklich talentiert wie kaum ein anderer Regisseur, bei "Schatten der Wahrheit" wird sein Talent hingegen ausnahmslos verschwendet. Der Film ist subtil, keine Frage, doch lebt er hauptsächlich von seinen Charakteren und der mystischen Atmosphäre. Und beides bleibt mehr als blass.

Während Michelle Pfeiffer ihr makelloses Porzellangesicht gekonnt und vor allem bemüht in Szene setzt, wirkt Harrison Ford nach diversen enttäuschenden Rollen ("Begegnungen des Schicksals", "Sechs Tage, sieben Nächte", "Air Force One") ein weiteres Mal deplatziert. [Spoiler] Durch seine von lockeren und überaus charismatischen Helden geprägten Charakterwahl im Laufe seiner Karriere (Han Solo, Indiana Jones, aber vor allem auch Dr. Kimble, Jack Ryan und Bladerunner Deckard) nimmt ihm wohl kaum einer den verbitterten, leicht psychopathischen Ehemann und Bösewicht ab. [Spoilerende] Genauso unspektakulär und enttäuschend wie das dünne Drehbuch gestaltet sich nämlich sein Charakter Dr. Norman Spencer, dessen Vorname genauso wie diverse Kameraeinstellungen und Storyelemente eine Hommage an Hitchcock-Klassiker sind.

Offiziell sogar als Hitchcock-Ehrerbietung angepriesen sind nur allzu viele Elemente bekannt und dadurch so enttäuschend unspektakulär. Claire beobachtet einen vermeintlichen Mord bei den Nachbarn ("Das Fenster zum Hof"), badet in einer Wanne, die in Kombination mit dem Duschvorhang direkt aus "Psycho" stammen könnte und wird im finalen 'Showdown' gar mit einigen allzu bekannten Kameraperspektiven eingefangen. Aber betrachten wir einmal das große Ganze: ein klassischer Horrorfilm zum Gruseln und sich Erschrecken soll er sein. Geschockt wird man zwischendurch zwar effektiv, aber beileibe nicht unerwartet und auch hier und da mal nach der billigen Lauter-Musikakkord-Masche. So richtig gute Szenen sucht man leider vergebens, denn auch wenn die Story nicht wirklich schlecht ist, wirkt sie in Verbindung mit dem ewig gleichen Set, dem Haus der Spencers, so schrecklich monoton und in keinem Moment wirklich packend.

Positiv bleibt jedoch anzumerken, daß die Frage "Einbildung oder Realität ?" eigentlich bis zum Ende ungeklärt bleibt und auch dann nicht wirklich beantwortet wird. [Spoiler] Es ist die Frage nach dem Unterbewußtsein, daß in uns allen Halluzinationen oder Täuschungen hervorrufen kann und so bleibt trotz der scheinbar in die Realität eingreifenden Leiche zum Schluß, offen, ob sie nun wirklich den Tod von Norman Spencer verursacht hat. [Spoilerende] Diese subtile Inszenierung ist zweifelsfrei Zemeckis Geschick zuzuschreiben, aber bei dem Gedanken an frühere Werke kommt mir dieser Film wieder einmal wie die reinste Verschwendung an Talenten vor. Was hätte das Duo Zemeckis-Ford nicht alles intelligent Dramatisiertes oder herrlich Spaßiges machen können ?

Subtil, aber enttäuschend unspektakulär und uninteressant.


Thomas Schlömer