Traumschiff Surprise - Periode 1
((T)Raumschiff Surprise - Periode 1)

Deutschland, 87min
R:Michael Herbig
B:Michael Herbig, Alfons Biedermann, Rick Kavanian
D:Michael Herbig,
Christian Tramitz,
Rick Kavanian,
Til Schweiger,
Sky Dumont
L:IMDb
„Insalata mista, baby!”
Inhalt
Im Jahre 2054 hat die Menschheit den Mars besiedelt. 250 Jahre später kehren die Nachkommen der ersten Siedler zurück. Ihr Ziel ist es, die Erde zu erobern und deren Bewohner zu vernichten. Und tatsächlich scheint die Lage aussichtslos: Die Invasion hat begonnen. Königin Metapha befiehlt dennoch, „nicht den Sand in den Kopf zu stecken“. Denn es gibt eine letzte Hoffnung: Die Besatzung des „(T)Raumschiff Surprise“ muss auf einer Zeitreise die Besiedlung des Mars rückgängig machen. Die Crew hat allerdings eine sehr viel dringendere Mission: Sie steckt mitten in der Vorbereitung ihrer Tanznummer für die „Miss Waikiki Wahl“. Und nimmt deshalb nur sehr widerwillig ein Taxi zur Erde.
Kurzkommentar
Mit dem "Traumschiff" wärmen Herbig & Co. den Humor des "Schuh" nochmal auf, mit einem nochmal deutlich gesteigerten Schwuchtel-Anteil - leider. Der Rest wäre nämlich durchaus lustig gewesen, aber insbesondere die Protagonisten trüben den Spass doch arg. Schade, dass sich Herbig überwiegend an einer Wiederholung seines letzten Films, wenn auch in anderem Setting, versucht.
Kritik
Vor »(T)raumschiff Surprise« hatte ich leichte Bedenken, ob die Verschwuchtelung der Charaktere für eine dritte Bully-Komödie noch genügend Substanz hergeben würde, immerhin wären bis dahin bereits das Western- und das Science-Fiction-Setting entsprechend verarbeitet worden. Nach »(T)raumschiff Surprise« bleibt aber leider nur die bittere Erkenntnis, dass es noch nicht mal für den zweiten Film mehr gereicht hat. Die von der »Bullyparade«-Crew gestellten Figuren sind allesamt Nervensägen erster Güte, insbesondere Bully selbst, und irgendwie ist das ganze nicht mehr so lustig wie noch beim »Schuh des Manitu«.

Til Schweiger gibt erneut seine Paraderolle als schwarzes Loch der Schauspielkunst – und neu: diesmal auch des Humors – aber Herbig, Tramitz und Kavanian spielt er selbst damit dennoch locker an die Wand. Sky Dumont setzt ebenfalls auf Altbewährtes und spielt einfach die gleiche Rolle wie beim letzten Mal, das allerdings gewohnt souverän.

Lustig ist der Film dennoch stellenweise, was hauptsächlich auf seine mitunter gekonnte Parodie der Genreklischees zurückzuführen ist. Zugestehen muss man Herbig, dass er sein Vorlagen ausgesprochen gut kennt und sie dementsprechend zielsicher auf die Schippe nimmt. Dazu kommt: All dies geschieht auf einem inszenatorisch hohen Niveau. Die aus StarWars übernommene Ratshalle samt Ausblick aus dem Fenster hat auch George Lucas, der Guru der Special-Effects, nicht besser hinbekommen. Regie-Können beweist Herbig auch bei bei dem eingeschobenen Waschanlagen-Clip in bester Softporno-Ästhetik (evtl. mag auch hier das intensive Studium der Vorlagen entscheidend gewesen sein).

Würde man Michael Herbig eine ordentliche Menge Geld (das scheint ihm nämlich zum Ende des Films ausgegangen zu sein) und ein paar brauchbare Schauspieler vermitteln und ihm zugleich verbieten, selbst aufzutreten bzw. Homo-Witze einzubauen, es könnte ein richtig guter Film dabei herauskommen. Problem: Man muss annehmen, dass Herbig dieses Angebot nicht mal annehmen würde. Zum einen reizt ihn sicherlich die fortwährende Selbstinszenierung, zum anderen ist, man kommt nicht umhin es zu sagen, seine Humorschiene doch etwas einseitig und nun eindeutig festgefahren. Letztlich wiederholt Herbig nur, was er bereits im »Schuh des Manitu« getan hat – warum es diesmal nicht funktioniert hat, ist schwer zu sagen. Die Homo-Witze sind einfach zu platt (obwohl sie das zuvor auch schon waren), die Charaktere samt Namen zu dümmlich (obwohl sie das zuvor auch schon waren), die Story zu dürftig (obwohl sie das zuvor auch schon war). Vielleicht liegt es am Wiederholungseffekt, vielleicht auch daran, dass Herbig die Dosis insgesamt nochmal (zu stark) erhöht.

Doch auch der Film jenseits seines Humors hat Schwächen: Nach einem ordentlichen Effekt- und Pointengewitter in der ersten halben Stunde geht es leider in jederlei Hinsicht bergab. Die dämliche Zeitreise-Story dürfte nicht nur SciFi-Fans auf die Nerven gehen, zumal sie eher wie eine Entschuldigung dafür erscheint, dass Herbig und seiner Crew sowohl das Geld für die Effekte als auch die Pointen im SciFi-Setting ausgegangen sind. So eiern die Protagonisten durch verschiedene Zeiten, wobei auch, deutlich überdehnt, die »Schuh des Manitu«-Welt wiederbelebt wird. Zwischen der planlosen Aneinanderreihung von mehr oder minder zündenen Pointen finden sich dann wieder echte Perlen: Etwa der Bösewicht Jens Maul auf dem Moped, oder auch das Schweizer Lichtmesser. Gut wird es immer dann, wenn Bully treffsichere Seitenhiebe auf große Kinofilme landet, schlecht dagegen, wenn nervige Schwuchtelwitze gerissen werden. Man mag Herbig also nur wünschen, für seine dritte Komödie (die ja wohl unvermeidlich ist), auf alles Tuntige zu verzichten und seine durchaus vorhandenen Stärken sowohl in der scharfsinnigen Parodie als auch in der gekonnten, atmosphärischen Inszenierung zu nutzen.

"Schuh des Manitu" hoch zwei, nur für Hardcore-Bully-Fans


Wolfgang Huang