Out of Time

USA, 104min
R:Carl Franklin
B:David Collard
D:Denzel Washington,
Eva Mendes,
Sanaa Lathan,
Dean Cain,
John Billingsley
L:IMDb
„Sometimes people do really stupid things. Because they´re in love.”
Inhalt
Matt (Denzel Washington) ist Chef einer kleinen Polizeistation in Florida. Als ein scheinbarer Doppelmord geschieht, sieht sich Matt jedoch gezwungen, vor der anrückenden Mordkommission, der fatalerweise auch noch seine angehende Exfrau (Eva Mendes) vorsteht, alle Spuren verschwinden zu lassen, da er mit einem der Opfer eine Liebesbeziehung führte, von der ausgehend er jetzt als Hauptverdächtiger erscheint. Gleichzeitig muss er jedoch versucht sein, den eigentlichen Mörder aufzugreifen.
Kurzkommentar
Carl Franklin dreht mit Vorliebe schnörkellose Thriller, die sicher unoriginell, aber dafür schon handwerklich sehr sicher inszeniert sind. „Out of Time“ ist für dieses solide Mittelmaß ein weiteres Beispiel. Die Besetzung ist sehr gut und zitiert routiniert das Drehbuch. Doch kann „Out of Time“ dadurch einige sehenswerte Spannungsmomente entwickeln, indem die Zeit gegen den Hauptprotagonisten läuft, der gleichzeitig Verdächtiger und Hauptermittelnder ist.
Kritik
Karl Franklin drehte noch nicht viele Filme und irgendwie auffällig waren sie auch nicht, wenngleich stets gut besetzt. „Im Netz der Lügen“, sicher längst vergessen, war einer davon und bot im letzten Jahr immerhin Oscarpreisträger Morgan Freeman auf. Auch Denzel Washington nennt die goldene Statuette sein eigen und arbeitet für „Out of Time“ das zweite Mal mit Franklin zusammen. Dieser dreht vorzugsweise Thriller, die irgendwo befriedigen können, weil sie sämtliche Genrekonventionen tadellos zitieren. Und so wirkt auch „Out of Time“ wieder wie eine leicht blutarme Zwischendurchproduktion, in der alle Beteiligten professionell und routiniert ihren Job machen. Mehr aber auch nicht.

Rein handwerklich kann Franklin von Beginn an überzeugen. Es gefällt die die Fotografie des Florida-Settings, dessen schwüle Hitze sich ebenso gut vermittelt wie eine dezente Film-Noir-Stimmung durch die Musik. Damit sind beste Voraussetzungen gar für schweißtreibende Suspense geschaffen, aber die Eröffnung lässt sich Zeit, skizziert eher lahm die geheime Liebesbeziehung zwischen dem Provinzcop und seiner Jugendliebe. Da diese den klischeehaften Prügelknaben zum Ehemann hat, scheinen die Konfliktlinien für den Rest des Films vorgeformt wie der Ausgang.

Es ist zum einen aber halbwegs sehenswert, wie Washington als Whitlock mit seinem Widersacher erste Konflikte austrägt und sich aus Gründen der Liebe dazu entscheidet, aus polizeieigene Gelder zu stehlen, um es der vermeintlich todkranken Geliebten zu Therapiezwecken zu übermachen, damit diese es später zurückzahlen könne. Dann entpuppt sich „Out of Time“ jedoch als – zugegebenermaßen konstruierte – Überraschung, in dem er die Erwartungshaltung im Zuschauer durch den scheinbaren Tod zweier Haupthandelnder düpiert und durch diese erste Wendung das Geplänkel zum Thriller macht. Reizvoll wirkt, wie Franklin dabei zwei Spannungsmomente fast gegeneinander in Stellung bringt.

Denn zum einen wird auf sehenswerte Weise der Spannungsfaden entwickelt, wie Whitlock versucht ist, die Spuren seiner Beziehung zur Geliebten auf jede Art zu vertuschen, die Ermittlungsarbeit der Polizei, der er selbst angehört, also fieberhaft mit „kriminellen“ Methoden zu unterbinden sucht. Die Sympathien des Publikums verliert er dabei freilich kaum. Zum anderen zeigt der zweite Spannungsbogen, wie er selbst, um die Last der Indizien, die gegen ihn sprechen, auszuräumen, den eigentlichen Mörder auftreiben und der Ermittlungsarbeit der Mordkommission immer einen Schritt voraus sein will. Durch diese Konstellation gewinnt „Out of Time“ mit zunehmender Laufzeit an Drive, selbst wenn er dabei mehrmals die Grenzen der Plausibilität überschreitet.

Dass Whitlocks Frau, die treffenderweise auch noch Detektivin sein will, das auffällige Verhalten ihres verkrachten Ehemannes hätte auffallen mussen, ist da nur ein Punkt. Eva Mendes spielt ihre Rolle da ebenso tadellos wie Denzel Washington und die weitere Besetzung. Washington hat zweifellos viel bessere Filme gedreht, und um zu fordern, ist seine Figur letztlich auch zu eindimensional. Zuweilen wirkt sein Auftreten ein wenig desinteressiert, dann aber wieder sehr bemüht. „Out of Time“ ist letztlich dank oder trotz eines etwas überfrachteten Drehbuchs sehr solide Thriller- und Suspenseunterhaltung. Und genauso wird wohl auch Franklins Nächster.

Unauffälliger Suspensethriller mit überzeugender Besetzung


Flemming Schock