Sin Eater - Die Seele des Bösen
(Order, The)

USA, 102min
R:Brian Helgeland
B:Brian Helgeland
D:Heath Ledger,
Shannyn Sossamon,
Benno Fürmann,
Mark Addy
L:IMDb
„In the beginning, my mystery still remained”
Inhalt
Der junge Prieser Alex Garnier (Heath Legder) operiert mit seinem Mitstreiter Thomas (Mark Addy) mit allerlei Geisterbekämpfungen im Dunkelbereich der Theologie. Als sein Mentor unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird Alex nach Rom beordert, um der Sache auf den Grund zu gehen. Alsbald sieht er sich nicht nur mit einer okkulten Sekte, sondern auch mit dem Umstand konfrontiert, dass womöglich ein so genannter Sin Eater, der Exkommunizierten die Begnadigung erteilt, in den Tod seines Lehrers verwickelt ist.
Kurzkommentar
Drehbuchtalent Brian Helgeland („L.A. Confidential“) zieht sein „Ritter aus Leidenschaft“-Team erneut zusammen und scheitert in seiner dritten Regiearbeit an den Gesetzen des Mystery-Thrillers. „The Order“ besitzt eine unverbrauchte Grundidee, nutzt dieser aber nicht, um die notwendige Spannung, lebendige Figuren und eine gute Geschichte zu erzeugen. Auch schöne Aufnahmen des päpstlichen Roms und Benno Fürmann in seiner ersten Hollywood-Rolle können den okkulten Langeweiler nicht retten.
Kritik
Ein eingespieltes Team sollte nicht den Fehler machen, in Routine zu verfallen. Zusammen mit Jungstar Heath Ledger und der Hawaiianerin Shannyn Sossamon drehte er vor zwei Jahren das verhältnismäßig erfolgreiche Popspektakel „Ritter aus Leidenschaft“. Davor hatte er mit „Payback“ einen der solideren Mel Gibson-Filme vorgelegt. Wirklich berühmt war auch das aber nicht. Helgeland zerrt weiterhin von den Ruhm, den er als Drehbuchautor für „L.A. Confidential“ einheimste. Auch für „Blood Work“ und den bald anlaufenden neuen Clint Eastwood-Streifen „Mystic River“ zeichnet er sich schreiberisch verantwortlich. Mit seinem erst dritten Kinofilm „The Order“ wagt sich Helgeland nun auf ausgelatschtes Terrain, das aber so viele Regisseure immer aufs Neue reizt: das Sujet des Mystery-Thrillers. Hier hat Religion immer am wenigsten mit Vernunft zu tun, geht es doch der – meist billigen – Effekte wegen um Okkultismus, um mittelalterlichen Mysterienhokuspokus und den obligatorischen Exorzismus – mit Holzkreuz und sonstigem Instrumentarium gegen Teufel und Antichrist; Theologie auf dem Niveau eines Videoclips.

Den jungen Heath Ledger in die Robe eines jungen Ordenbruders zu stecken, wirkt kaum überzeugend. Dass Ledger schauspielern kann, hat er bereits bewiesen, bald wird er in Terry Gilliams „Brothers Grimm“ zu sehen sein. Dass sein Auftreten in „The Order“ so bleich wie unecht wirkt, verschuldet allein das Drehbuch, dessen Drehbuch nicht nur den Namen eines fränkischen Königsgeschlecht kurzerhand zum Orden macht, sondern schon fast spektakulär langweilig ist. Damit begeht Helgelands uninspirierter Mystery-Thriller von Beginn an eine entschiedene Todsünde: „Der Exorzist“ als Urvater und andere Streifen hatten spannend zu sein. Mit welcher Art Schockeffekten oder bedrohlicher Kulisse das erreicht wurde, war gleich. Aber „The Order“ ist nur eines, nämlich nett fotografiert durch Postkartenaufnahmen Roms, sonst harmlos, zuweilen lächerlich. Über kruden Genremischmach nach „Stigmata“ reicht das nicht hinaus. Anfangs gibt das übliche übersinnlich unerklärte Spektakel, den ominösen Tode eines Ordensbruders, letzter Mentor der „Karolinger“, die abseits stehenden „Ghostbusters“ unter den katholischen Orden. „Robocop“ Peter Weller, hier als Kardinal, sucht den jungen Zögling Alex in New York auf, um ihm den Tod des Alten mitzuteilen.

Ortswechsel nach Rom. Helgeland reiht fast dilettantisch Szenenwechsel aneinander und vergisst dabei zweierlei völlig: den erwähnten Spannungsbogen – nur an zwei, drei Stellen gibt es unfreiwillig komische Geisterbahneinlagen – und die Entwicklung der Figuren. Wohl erfährt man Rudimentäres über Alex’ Vergangenheit, das reicht aber nicht, um sein apathisches Herumstehen und das anderer irgendwie interessanter zu machen. Dass der junge Priester gegenüber der Angebeteten sein Gelübde bricht, ist vorprogrammiert, aber nicht motiviert. Bald gesellt sich sein Geisterjägerkumpel, der unerschrockene Thomas (Mark Addy) an seine Seite. Die beiden geben kein schlechtes Paar, aber auch hier versagt das Drehbuch in seinen Möglichkeiten. Überhaupt ist es traurig, wie wenig aus „The Order“ wurde, denn die Grundidee ist selbst im Genre eine bisher unverbrauchte, fast originelle: Ein „Sin Eater“, der Sündenesser, ein Wesen zwischen Hier und Nirgendwo, sucht Exkommunizierte auf, um deren Sünden sprichwörtlich zu essen, damit sie doch noch die Absolution erfahren und ins Paradies einfahren. Das jede Sünde mit glibberigem Effekt durch den Raum fliegen muss, ist selbsterklärend. Benno Fürmann ist als „Sin Eater“ in seiner ersten Hollywood-Rolle zu sehen und schlägt sich, gemessen an den hölzernen Dialogen, mit bekannt starrem Blick erstaunlich wacker.

Ansonsten passiert erstaunlich wenig. In welche Richtung das Sündenesser-Gerede geht, was die perverse Sekte in den römischen Katakomben so genau beabsichtigt, wieso sich Alex schließlich kampflos seinem Schicksal fügt und jede Seele ihren Preis hat, wird nie vollends klar. „The Order“ ist ungeordnet und trotz der nur einhundert Minuten langatmig; keine Blasphemie gegen das Genre, doch einfach rundherum verzichtbar. Es bleibt zu hoffen, dass Brian Helgeland bei zukünftigen Projekten entweder Regie führt oder das Drehbuch schreibt, aber nicht beides zusammen.

Einschläfender Okkultismusthriller mit unterfordertem Ensemble


Flemming Schock