Black Hawk Down

USA, 144min
R:Ridley Scott
B:Mark Bowden, Ken Nolan
D:Josh Hartnett,
Eric Bana,
Ewan McGregor,
Tom Sizemore
L:IMDb
„It's about the man next to you, that's it”
Inhalt
1993 entsendet die UNO internationale Friedenstruppen nach Somalia, um dafür zu sorgen, dass die Zufuhr von Hilfsgütern nicht von lokalen Warlords unterbrochen wird. Weil der brutale Mohamed Farrah Aidid sich auch von den UN-Truppen nicht abschrecken lässt, sollen amerikanische Elitesoldaten hochrangige Offiziere Aidids in einem Gebäude in der Innenstadt von Mogadischu festnehmen und zur US-Basis außerhalb der Stadt bringen. Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann stürzt ein junger Ranger beim Abseilen aus einem Hubschrauber 20 Meter in die Tiefe. Eine tragische Kettenreaktion wird ausgelöst: Zwei Black-Hawk-Hubschrauber werden abgeschossen, ein Konvoi aus zwölf Fahrzeugen verfährt sich im unübersichtlichen Straßenlabyrinth, 100 Ranger und Delta-Force-Soldaten werden eingekesselt und von der Außenwelt abgeschnitten. Ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt, denn die Feinde greifen von allen Seiten an und die Munitionsvorräte werden langsam knapp. Die Lage eskaliert.
Kurzkommentar
"Gladiator"-Regisseur Ridley Scott tauscht das Schwert gegen automatische Waffen. Er liefert mit "Black Hawk Down" aber kein modernes Antikriegsepos, sondern politisch opportune, überlange Fastfoodballerei aus Selbstzweck. Sie mag durch ihre begnadete technische Umsetzung fesseln, nervt aber durch hohle Feindbildkonstruktion, Militarismus- und Heldenattitüde.
Kritik
Ja, sagen wir´s gleich vorweg: dass Jerry Bruckheimer, der berüchtigte Zampano unter Amerikas Patriotismusexporteuren ("Pearl Harbor"), mal wieder im Hintergrund die Fäden zieht, bedeutet für einen Kriegsfilm erfahrungsgemäß zweierlei: nicht nur die Unmöglichkeit eines Antikriegsfilms, sondern gleich die Umkehr ins Gegenteil, ins schwülstige Heldengetrommel. Das mag, wo sich das Selbstverständnis der Nation auch durch Militärmacht definiert, Balsam für die amerikanische Seele sein, vor allem aber ist es theatralisch geschmacklos und eigentlich auch anachronistisch. Mit dröhnender Breitseite bereitet Bruckheimer Krieg für den Massengeschmack als romantisches Abenteuertum und militaristischen Werbespot auf.

Wo leises Auftreten also undenkbar ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass selbst tatsächlich geschehene militärische Desaster zu Heldenepen umgedichtet werden. Zweifelhafte Voraussetzungen also, um der traumatischen Niederlage amerikanischer Militärs in Somalia "angemessenen", will heissen kritischen Ausdruck zu verleihen - soweit es Unterhaltungsmedium Film, und gerade im amerikanischen eben möglich ist. Immerhin fand sich für die Regie kein ausdrucksloser Nobody, sondern ein der ganz Großen, auch wenn Ridley Scott ("Blade Runner") den Höhepunkt seines Schaffens schon längere Zeit hinter sich und in den letzten zwei Jahren verdächtig viel, vielleicht zu viel hervorgebracht hat. Nach dem überaus publikumswirksamen Sandalenhit "Gladiator" verspielte er mit dem peinlich müden Kannibalen "Hannibal" im letzten Jahr einiges an Gunst.

Wenigstens war klar, dass ihm Bruckheimer weitesgehend freie Hand lassen und das Ergebnis deswegen möglicherweise angenehm anders, differenzierter ausfallen könnte, eben nicht nur am hyperrealistischen Schaueffekt ("Boah, Krieg - mittendrin!") und der Selbstherrlichkeit amerikanischer Militärmacht interessiert. Doch auch wenn "Black Hawk Down" schon wegen der aktuellen Brisanz des Stoffes (Somalia als denkbar nächstes Ziel des Anti-Terror-Kriegs) weit interessanter wirkt als Scotts vorherige Streifen, wird hier im Kugelhagel jede Nuance plattgemacht. Selbst die außergewöhnlichen Begebenheiten wirken bliebig, auf ein primitives Schwarz- Weiß-Muster reduziert; amerikanische Helden sterben jetzt in Afrika für die Sache der Menschheit und sich selbst, nicht mehr in Vietnam.

Und da endet das kosmetische Update auch schon. Um die Sehgewohnheiten nicht unnötig lange mit lästigen Nichtigkeiten über die Komplexität der Situation zu strapazieren, wird der Hintergrund durch notdürftige Texteinblendungen abgerissen, während routinierte Ethnoklänge von Scotts Hauskomponisten Hans Zimmer für Stimmung sorgen. Bevor es dann endlich zur Sache geht, werden noch überholten Kriegsfilmkonventionen gemäß die zukünftigen Märtyrer und Heroen in Szene gesetzt, natürlich mit dem kompletten Klischeekatalog: schießwütige Rekrukten treffen auf coole Frontschweine (Tom Sizemore), kaffeekochende Golfkriegsveteranen (Ewan McGregor) und rührende Idealisten (Josh Hartnett) - "we can either help or watch the country destroyed on CNN". Das ist auch schon genug der Moral, die tragischen Helden können losschlagen.

Und mit ihnen tut es Scott gnadenlos. Das Drehbuch versinkt in nervenzerfetzendem Dauergeballer, in dem der Regisseur aber auch seine überragende handwerkliche Virtuosität ausspielt. Schade, dass es nur hierfür reichte. Nahezu ohne Verschnaufpause presst das optische Bleigewitter die Zuschauer in die Sitze, ohne jedoch einen neuen, "sinnfälligen" Rekord auf der "Realismusskala" zu riskieren. An deren Spitze watet Spielbergs "Ryan" weiterhin einsam in Blut. Aber kurzum, wie eine Handvoll amerikanischer Superhelden heldenhaft gegen tausende, "böse" Buschkrieger im Häuserkampf die Zivilisation behauptet, wie Tom Sizemore unbeeindruckt im Kugelhagel steht und Ewan McGregor trotz allem immer Zeit für ein Käffchen findet, das zog an der US-Kasse und wird auch hier an der Zielgruppe nicht scheitern.

Scotts "Black Hawk Down" fährt als ungenierter, formperfekter Heldengesang nach dem 11. September auf der "politisch korrekten" Schiene des Militärpatriotismus. Demnach hat die Supermacht in Somalia nicht moralisch, sondern bloß logistisch versagt, mag auch der reumütige General in pathetischer Geste das Blut seiner Soldaten vom Boden aufwischen. Gegen Ende ist dann auch der Bodensatz der Kriegsmotivation erreicht, wenn die Sinnfrage mit Kameradschaft beantwortet wird. Das sind Ideale nach unserem Geschmack, Ideale für einen richtigen Männerfilm. Als dieser mag "Black Hawk Down" die Erwartungen nicht enttäuschen, für Weiteres ist er jedoch nicht zu gebrauchen.

Handwerklich erstklassiges Bleigewitter mit problematischer Moral


Flemming Schock