Unzertrennlich
(Stuck on you)

USA, 121min
R:Bobby Farrelly, Peter Farrelly
B:Peter Farrelly, Bobby Farrelly
D:Matt Damon,
Greg Kinnear,
Eva Mendez,
Wen Yann Shih
L:IMDb
„Ihr zwei seid ein Schauspieler?”
Inhalt
Bob (Matt Damon) und Walt (Greg Kinnear) sind zusammengewachsener Zwillinge in einer Kleinstadt und so unterschiedlich wie sich ähnlich; ein unschlagbares Team. Doch Walt hat ernsthafte Schauspielambitionen, will Star in Hollywood werden. Bob will ihm dabei nicht im Wege stehen, aber naturgemäß birgt der nun eingeschlagene Weg etliche Probleme.
Kurzkommentar
Alles bleibt anders und ist doch sympathischer, weniger hohl als früher. Die Farrellys inszenieren mal wieder einen „Freakfilm“, dem es dennoch nicht an Herz mangelt. Dank seines originellen Grundeinfalls, der Schauspielleistung und zahmer, politischer Korrektheit ist „Unzertrennlich“ ganz sicher nicht anarchisch und – man staune – durchaus ein guter, ohne Frage der beste, weil verträglichste „Farrelly“ bisher geworden.
Kritik
Brüder halten zusammen. Im Falle des Regieteams der Farrellys erhält diese alte sozialmoralische Weisheit einen neuen Klang. Die autobiographische Lesart drängt sich für den neuesten Streich der Anarchos förmlich auf, denn Bobby und Peter Farrelly sind in der Tat unzertrennlich. Ja, und mehr noch. Sie scheinen, wie alle ihre grotesken Filmhelden, die allesamt Außenseiter, Minderheiten sind, ein wenig freakig zu sein. Nun, vielleicht ist das endlich auch gut so, weil auch durch „Unzertrennlich“ mal wieder alles anders bleibt und die Outsider doch die bitter notwendige Kurve kriegen und ihnen dabei Überraschendes gelingt. Das Vollidiotentum von „Dumm und Dümmer“ und die Spermaszene aus „Verrückt nach Mary“ lagen Jenseits von Gut und Böse, haben die Farrellys zeitweilig zum Kult gemacht. Auch ihr vorletzter Geschmackskiller „Ich, beide und sie“ war mit dem Einfall eines schizophrenen Verkehrspolizisten nicht weniger kraus und doch nervtötend.

So dürfte die Erwartung eher die ernsthafte Befürchtung gewesen sein, dass die Debilität auf der Leinwand neue Höhen erklimmt. Zugegeben, die Grundidee, einen Film über siamesische Zwillinge zu drehen, die natürlich so unterschiedlich wie Tag und Nacht sind, stand nur von den Farrellys zu erwarten und ist dabei doch merkwürdig originell. Einmal in der Brüder Vorhölle geläutert zu werden ist zudem die ultimative Herausforderung an jeden Schauspieler, der sich sonst ernst nimmt und nach Oscarweihen strebt. Das gilt für Matt Damon, dessen darstellerische Qualitäten man ja in Zweifel ziehen darf, aber ganz sicher für den aufstrebenden Greg Kinnear („Auto Focus“). Vorige Farrelly-Werke mögen zum Teil an Körperverletzung gegrenzt haben, und hier liegt die zweite Überraschung von „Unzertrennlich“: er ist, trotz aller unverzichtbarer Klamaukeinlagen, vergleichsweise harmlos, nicht überstrapaziert.

Hier hat man durchaus den Eindruck, die Farrellys hätten sich zusammengerissen, vielleicht zusammenreißen müssen, da, nimmt man sich angeborene körperliche Defekte zum Filmthema, politische und moralische Korrektheit ja angesagt ist. Hier zeigt sich ein zweites typisches Charakteristikum ihrer Filme: das gesellschaftlich Ausgegrenzte gerät – teils grotesk übersteigert – ins Blickfeld, aber es ist doch nicht so, als würde der Spaß nur auf Kosten dieser Minderheit inszeniert, sondern mit ihr, sprich: den Farrellys gelingt es trotz aller Bodenlosigkeit kurioserweise ein Stück Bodenständigkeit mit Herz. Das zeigt „Unzertrennlich“ auf recht sympathische Weise. Natürlich beginnt die Lachnummer damit, dass alle möglich Alltagssituationen samt ihrer Schwierigkeiten für Zusammengewachsene durchdekliniert werden – ein schier unerschöpfliches Reservoir an Situationskomik. Und doch trifft die „Zwillinge“ Bob und Walt nicht der Spot, sondern letztlich, hat man ihr „Freaksein“ kurz hingenommen, die Sympathie der Mitmenschen.

Aus der körperlichen Bedingtheit bezieht der Film seine unwillkürliche Komik und aus der Idee, dass einer der beiden Zwillinge unbedingt aus dem Fischerdorf nach Hollywood will, um Schauspieler zu werden, den Rest. Nichts verläuft dabei letztlich Unerwartet, dass Finale ist auch absehbar und dennoch, weil Matt Damon und Greg Kinnear ein erstaunlich lebendiges, kontrastreiches Duo abgeben und man ihnen deutlich anmerkt, welchen Spaß sie beim Dreh gehabt haben müssen, ist „Unzertrennlich“ erfrischend blödsinnig, unkonventionell und in Momenten, wenn schließlich die zweite Hälfte zum Ganzen fehlt, einzelne Freiheit nicht ohne die des anderen denkbar ist, einen Schuss existentieller Dramatik. Ja, der Streifen behagt irgendwie, weil einem die Helden ans Herz wachsen. Sollten die Farrellys auf diesem Weg weitergehen und mit dem nächsten Streifen glatt erwachsen werden und dabei ein gutes Stück ihres Wahnsinns bewahren; wieso nicht. Dann halt herzhaft anders.

Lebendige Außenseiterkomödie mit der richtigen Dosis Wahnsinn


Flemming Schock