Confidence

USA / Kanada / Deutschland, 97min
R:James Foley
B:Doug Jung
D:Edward Burns,
Rachel Weisz,
Morris Chestnut,
Dustin Hoffman,
Paul Giamatti
L:IMDb
„It went to shit. That happens sometimes.”
Inhalt
Als der brillante Trickbetrüger Jake Vig (Edward Burns) bringt den exzentrischen Gangsterboss Winston King (Dustin Hoffman) unwissentlich um recht viel Geld, das dieser schnellstmöglich wiederhaben will. Andernfalls sähe es für Jake und seine Gang schlecht aus.Zusammen mit der kecken Taschendiebin Lily (Rachel Weisz) und seinen Kumpanen sowie zwei korrupten LAPD-Polizisten fädelt er den größten Betrug seiner Karriere ein. Doch der Coup steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Jake und Co. müssen sowohl Kings Leuten als auch der Polizei immer einen Schritt voraus sein. Nur so könnte es ihnen tatsächlich gelingen, ihre Schulden zu begleichen und damit ihr Leben zu retten.
Kurzkommentar
„Confidence“ hätte dank seiner Besetzung ein echter Hingucker werden können. Weil Regisseur James Foley jedoch auf eine Gaunergeschichte setzt, die einen zunehmend absurden Konstruktionsgrad erreicht und dabei über dessen Prinzipien räsoniert, ist der Film vor allem eines nicht: spannend, dramatisch. Auch seine Figuren wirken wie beliebig in einem Spiel, dessen Katharsis natürlich jede Zuschauererwartung über den Haufen werfen und dennoch Sinn ergeben muss. Dennoch ist „Confidence“ sehenswert, durch seine Stimmung und intelligent gedrechselte Dialoge, vor allem aber durch Dustin Hoffman in einer ekelhaft schönen Nebenrolle.
Kritik
„Con“-Movies, zu deutsch Gaunerstreifen, haben den Betrugsverbrechen der Wirklichkeit eine entscheidende Sache voraus: man kommt mit verdammt viel Stil ans große Geld. Jeder mögliche Schachzug aller am Spiel Beteiligten ist von irgendeinem begnadeten Planungsgenie bis zum Ende hin durchkalkuliert. So hat das Spiel schon geendet, bevor es fängt. Jake Vig, spricht davon, in James Foleys „Confidence“ ist er dieses Genie. Stylisch, charmant und trotzdem hat es ihn gegen Ende hin erwischt zu haben, denn teils in Rückblenden lässt Foley entfalten, erzählen und kommentieren. Vier Jahre nach seinem mittelprächtigen Chow Yun-Fat-Vehikel „The Corruptor“ meldet sich Foley mit einem Genrefilm zurück. Die doppelte Semantik des englischen „Con-fidence“ hebt auf die Grundidee des Films ab: erst erschleicht man sich das Vertrauen des Opfers, dann nimmt man es aus. Foley zitiert alle gängigen Konventionen des Genres, steigert diese letztlich ins Unglaubwürdige. Das einzig Überraschende ist – was auch den Kinostart erklären und rechtfertigen dürfte – die Besetzung.

Foley bringt für „Confidence“ ein Ensemble zusammen, das große Erwartungen weckt: Edward Burns aus „15 Minuten Ruhm“, Rachel Weisz, Paul Giamatti, Luis Guzmán, Andi Garcia und schließlich in einer Nebenrolle, die sich jedoch zur Hauptshow entpuppt, Dustin Hoffman. Edward Burns besetzt die Hauptrolle des Meisterlügners und Betrügers und bringt die dafür nötige Coolness ohne Frage mit. Dennoch wirkt er fehlbesetzt, zu glatt, zu unlebendig, zu uninteressant; wie eine gleichgültige Figur im großen Spiel. Burns Rolle steht damit stellvertretend für das erste Grundproblem von Foleys „Confidence“: die Handelnden handeln nicht wirklich, scheinen bloß Aktanten in einer sterilen Betrugsnummer. Sie könnten im nächsten Augenblick tot und dann aber auch wieder lebendig sein, der Zuschauer bleibt merkwürdig ungerührt, identifiziert sich mit den Protagonisten emotional in keiner Sekunde. Die Ursache dafür sind nicht etwa aus Unterforderung gelangweilt agierende Darsteller.

Nein, dank deren energetischen Auftretens, das Foley in elegante Bilder verpackt, tritt Langeweile nicht ein. Allerdings fehlt auch die Spannung. Und da führt das erste zum zweiten Problem: die einzelnen Rollen geraten hier zur Beliebigkeit, weil sich als eigentlicher Star des Films seine vertrackt konstruierte Gaunergeschichte entwickelt. Der folgt man nicht gespannt, nicht mit Thrill, sondern ständig in dem bald hoffnungslosen Bemühen, noch alle Stränge und überraschenden Wendungen des Plots und seiner Subplots auf die Reihe zu bekommen. Das mag furchtbar intelligent und „logisch“ auch am Ende eine natürlich trotzdem völlig unerwartete Auflösung ergeben, vernachlässigt in seinem eitlen Manierismus aber durchweg die Prinzipien des Spannungskinos. „Confidence“ erzählt selbst durchweg von der Konstruktion des Verbrechens und wirkt damit selbst wie ein unverbindliches Experiment. Aber trotz dieser zwei leider grundlegenden Minuspunkte ist der Streifen dennoch sehenswert.

Zum einen, weil Foley die handwerkliche Seite mit eigener Handschrift meistert, weil „Confidence“ sehr stilhaft geschnitten und komponiert ist. Dann besitzt die Inszenierung im englischen Original einen erfrischend derben verbalen Grundton, der vom gewissen F-Wort durchflutet und in der hiesigen Synchronisation sicherlich entschärft ist. Die beiden Joker Foleys sind aber Andi Garcia und Dustin Hoffman. Garcia sieht als FBI-Agent eines weiteren Handlungsstrangs zwar aus wie die parodistische Essenz aller schlechten Detektivklischees, gibt sich aber enorm unterhaltsam. Und das gilt gerade für Dustin Hofmann, der in seinem kleinen Auftritt als „King“ - eine Art metrosexueller Freakverbrecher - einmal mehr seine Klasse zeigt. Widerlich kaugummischmatzend scheint er einen gewalttätigen Ausbruch in jedem Bild nachzulegen, räsoniert selbst, dass allein Pillen ihn ruhig halten. Anzüglichkeiten und kurze Aphorismen zu den Regeln des Geschäfts runden das Bild ab.

„Confidence“ vergibt somit gerade angesichts seiner Darsteller Etliches, aber Foley weiß geschmackvoll bei der Stange zu halten. Sollte er keine weiteren vier Jahre bis zum nächsten Film warten und bei diesem weniger überfrachtetes Verwirrspiel setzen, das den Zuschauer teils doch nervig übertölpelt, steht stylisch-spannende Unterhaltung ins Haus.

Überkonstruiert-stilvoller Gaunerstreifen mit guter Besetzung


Flemming Schock