Shrek 2

USA, 92min
R:Andrew Adamson, Kelly Asbury
B:J. David Stem, Joe Stillman, David N. Weiss
L:IMDb
„Die Rolle des dauerplappernden Tiers, das dauernd nervt, ist bereits vergeben!”
Inhalt
Nach seinem Kampf gegen einen Feuer speienden Drachen und den bösen Lord Farquaad hatte Shrek es geschafft: Er rettete die schöne Prinzessin Fiona und für beide gab es ein Happy End. Nun aber muss sich Shrek der größten Herausforderung von allem stellen: der eigenen Verwandtschaft. Denn als Shrek und Fiona aus ihren Flitterwochen zurückkehren, finden sie einen Brief von Fionas Eltern: Die laden ihre Tochter samt Anhang an den königlichen Hof ins Land Weit Weit Weg ein. Die Eltern freuen sich auf das Wiedersehen mit ihrer Tochter nebst Gatten – aber niemand hat sie auf den Anblick ihres neuen Schwiegersohns vorbereitet, und erst recht nicht darauf, wie sehr sich ihre hübsche Tochter verändert hat.
Kurzkommentar
„Shrek 2“ ist „nur“ more-of-the-same, aber das dann wenigstens gut. Zahlreiche Dialoge und gelungene Parodien machen aus dem mittlerweile erfolgreichsten Trickfilm ein unterhaltsames, sehr kurzweiliges Abenteuer. Dass man im Kern jedoch auch nur das ist, was man zu parodieren vorgibt, wird wie im ersten Teil still und heimlich übergangen.
Kritik
Schon der erste „Shrek“ war immens erfolgreich, aber schon der erste „Shrek“ war ziemlich doppelbödig: man parodierte frisch und frech gängige Disney-Schemata, zeigte sich selbst aber kaum weniger progressiv. Auch bei „Shrek“ wurde letzten Endes der Bösewicht besiegt, die Prinzessin befreit und das märchenhafte Happy-End gefeiert. Das besonders Perfide dabei: zunächst machte man sich noch einen Spaß daraus, einen grünen Oger mit einer bildhübschen Prinzessin zu verkuppeln (und genau das war ja eigentlich das Spaßigste an „Shrek“), dann jedoch entpuppte sich all das als Zauber und man gönnte den beiden ihr glückliches Ende nur in gleicher Gestalt. Dieser latente Rassismus ist für ein Produkt, dass sich als besonders kinderfreundlich und moralisch ausgibt, doch ziemlich bemerkenswert, sollte aber wohl nicht zwingend überbewertet werden.

„Shrek 2“ setzt nun sowohl erzählerisch als auch moralisch dort an, wo Teil 1 endete und das hat seine positiven wie negativen Seiten. Gelungen – und das ist wohl das entscheidende Kriterium für viele potenzielle Zuschauer – ist wieder einmal der Unterhaltungswert. Beginnend wie ein Video-Clip fließt „Shrek 2“ ohne große Stolpersteine vor sich hin, hat immer rechtzeitig die nächste Wendung parat und findet einen guten Rhythmus zwischen rein parodistischen und eher gefühlsbetonteren Momenten. Die Dialoge sind abermals sehr straff, die Anspielungen oft gelungen, wenn auch harmloser als im ersten Teil, und manche, längere Montage überraschend filmisch. So etwa der furiose Streit zwischen Shrek und Fionas Vater während des ersten gemeinsamen Abendessens.

Gemäß diesem Kriterium ist „Shrek 2“ also problemlos zu empfehlen und dennoch passt hier einiges nicht zusammen: die Rolle des dauerplappernden, nervenden Tieres sei schon vergeben, mault der Esel in einer Sequenz und nimmt damit die Drehbuch-Schemata Hollywoods aufs Korn. Dass der just eingeführte gestiefelte Kater aber ebenso Hollywood-Flickwerk ist – in dem Fall der spanischsprachige Lieferant für so ziemlich jeden One-Liner des Films – wird einfach übergangen. Aber auch der romantische Kern erlaubt nicht die Symbiose mit der ehemals fast subversiven Grundidee: es geht um Liebe, Untreue, Vertrauen und Freundschaft. Der Unterschied zum klassischen Disney-Film ist nur, dass sich die Liebe hier auch schon mal in gemeinsamen Flatulenzen ausdrückt.

So ist „Shrek“ nur die modernisierte Variante des ursprünglich mal angeprangerten Disney-Films und selbst eine üppige und gar nicht mal so ironische Gesangseinlage hat man sich gegönnt. Ob das wirklich so schlimm ist, könnte man sich jetzt fragen, und eigentlich ist es das nicht. Aber wenn man in einigen Jahren einen Blick zurück auf die Animationsfilme des beginnenden Jahrtausend wirft, wird man die Formelhaftigkeit von Dreamworks' Filmen ebenso parodieren können wie sie es derzeit selbst praktizieren. Im Gegensatz zu den Filmen von Pixar: hier ist der Kern immer die Geschichte, die Gags nur dazu da, sie möglichst unterhaltsam zu erzählen. „Findet Nemo“ wird man auch in 50 Jahren noch sehr anrührend finden.

Amüsantes, kurzweiliges Abenteuer, aber auch nicht klüger als die Konkurrenz


Thomas Schlömer