Signs - Zeichen
(Signs)

USA, 106min
R:M. Night Shyamalan
B:M. Night Shyamalan,M. Night Shyamalan
D:Mel Gibson,
Joaquin Phoenix,
Rory Culkin,
Abigail Breslin
L:IMDb
„It's like War of the Worlds.”
Inhalt
Der ehemalige Pfarrer Graham Hess (Mel Gibson) findet eines Tages in seinen Kornfeldern mysteriöse Zeichen. Alles deutet auf Außerirdische hin, und so verschanzt er sich mit seinem Bruder (Joaquin Phoenix) und seinen Kindern in seinem Haus - das lange Warten beginnt.
Kurzkommentar
"Signs" hinterläßt ein äußerst zwiespältiges Bild. Auf der Habenseite läßt sich eine Regie verbuchen, die gekonnt Spannung aufbaut und mitunter an Hitchcock erinnert, demgegenüber steht eine dämliche Story, lahmes Acting und vergeudetes Potential en masse.
Kritik
Leider steht in "Signs" jeder brillianten Idee mindestens ein grober Schnitzer gegenüber:

Großartig etwa der Ansatz, die längst als Täuschung enttarnten Kornkreise abermals als Zeichen Ausserirdischer zu präsentieren - leider tut Shyamalan das aber wenig überzeugend. Die mutmaßliche Erklärung als Navigationshilfen für Ausserirdische ist dermaßen lächerlich, dass Shyamalan sie selbst nicht ernst genommen haben kann. Da der Film nun aber "Signs" heisst, und die Spekulation um diese mindestens den halben Film füllt, ist es wiederum mehr als unbefriedigend und dilletantisch, dass der Regisseur und Drehbuchautor diese in der Mitte des Filmes einfach vergisst und unkommentiert läßt. Somit mutieren sie zu einem bloßen Taschenspielertrick, der sich aber schnell als windig erweist. (Besonders lächerlich auch, dass die Kreise nur in Indien und in den USA auftauchen - weshalb, dürfte klar sein. Dass Shyamalan sich hier nicht mehr Mühe gibt, ist insbesondere deshalb ärgerlich, weil er sonst von seinen Zuschauern genaue Beobachtung verlangt.

Der beste Einfall: Einen Alienfilm nicht als lauten Kracher oder als schleimigen Monsterschocker zu inszenieren, sondern äußerst ruhig und mit bescheidenen Mitteln. Die beeindruckenden, aber auch gefährlichen Mittel der FX-Spezialisten setzt Shyamalan kaum ein. In einem offensichtlichen Rückgriff auf klassische Dramentheorie vertraut er auf die Regeln der Einheit von Zeit, Raum und Ort, und läßt den Film innerhalb kurzer Zeit im Wesentlichen an dem selben Ort spielen und verzichtet auf verschiedene, sich abwechselnde Handlungsstränge. Die Spannung erzeugt er geschickt durch klaustrophobische Elemente statt durch gefletschte Monsterzähne. Hier erinnert der Film stark an "Panic Room", mit dem er die genannten drei Prinzipien gemein hat, und an "The Others", der ebenfalls mit minimalen Effekten maximale Spannung erzeugt.
Ärgerlichweise kann es sich Shyamalan dann doch nicht verkneifen, mal wieder zu tief in die Mystery-Tüte zu greifen: Die Geschichte um Graham Hess' verstorbene Frau ist so unnötig wie ein Kropf. Der Grund, warum sie dennoch auftaucht, ist offensichtlich: Zum einen ist es das Muster, dass sich am Ende eine Tatsache als anders als ursprüglich gedacht erweist (auf diesem Muster bauen "The 6th Sense" und "Unbreakable" auf), zum anderen fühlte sich Shyamalan wohl genötigt, dem Film noch eine Botschaft mitzugeben - die vom wiedergefundenen Glauben nämlich. Dass diese Botschaft ob ihrer peinlichen Konstruiertheit und durch den lächerlichen Kontrast von Alien-Existenz versus Religiosität sich selbst ad absurdum führt, ist Shyamalan aber offensichtlich entgangen.

Einmal mehr inszeniert Shyamalan den Film schauspielerisch eher ruhig - angenehmerweise vertraut er mehr auf seine Story als auf die Zugkraft irgendwelcher Stars. Mel Gibson ist aber schlicht und einfach eine Fehlbesetzung, denn niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass er die Fähigkeit zu subtilem Schauspiel hat (zugegeben, von Bruce Willis hätte man es ebenfalls nicht erwartet). Auch Joaquin Phönix, der sein Können in anderen Filmen bereits bewiesen hat, kann hier nicht überzeugen. Seine größte schauspielerische Leistung besteht darin, eine Narbe an der Oberlippe zu haben. Am ehesten können noch die Kinder überzeugen, wobei diese mal wieder seltsam unecht ausfallen - das ist aber wohl typischer Shyamalan-Stil.
Apropos Shyamalan: Sich selbst hat der Regisseur und Drehbuchautor sogar selbst eine kleine Rolle zugedacht - die aber irgendwie reichlich unnötig ist.

Das dicke Ende kommt jedoch noch: Der Schluß ist einfach unsäglich. Spoiler Die beiden Schlußpointen, dass die Geheimwaffe gegen Aliens das Wasser ist, und der Priester seinen Glauben schließlich wiederfindet, lassen sich einfach nur als extrem schwach bezeichnen. Ersteres ist billigster B-Movie-Style, eine Art Deus-Ex-Machina um die Aliens schnell wieder loszuwerden. Und daran wird ersichtlich, dass Shyamalan nicht die geringste Idee hatte, was die Ausserirdischen in seinem Film eigentlich zu suchen haben. Sie sind irgendwie dubios böse (bringen aber keine Waffen mit(?)), haben keine Motivation, können nicht sprechen, und irgendwie könnte man sie im zweiten Teil des Films auch durch Einbrecher ersetzen (dummerweise wurde dieser Film aber schon gedreht, Finchers "Panic Room"). Bleiben die namensgebenden Kornkreise aus dem ersten Teil, die aber ebenfalls nur Mittel zum Zweck sind, ein Werkzeug um Spannung zu erzeugen. An sich ist das nicht per se schlecht, nur: Wenn die Spannung dann mal abgefallen ist, sucht man nach Bleibendem, und alles was man findet ist: die mit Gewalt aufoktroyierte Geschichte vom wiedergefundenen Glauben. In dem die sterbende Frau nicht einfach nur stirbt, sondern noch ein paar prophetische Worte äußern darf, wird ihr Tod plötzlich sinnvoll, und der Pater kann wieder an Gott glauben. Hanebüchener geht's nicht mehr.Spoiler

Was bleibt, ist ein durchaus spannungsreicher, stellenweise gekonnt subtiler Film, bei dem man bei den tieferen Werten beide Augen festzudrücken muss. Denn Story, Message und schauspielerische Leistung erweisen sich letzlich als armselig.

Großartiger Ansatz - sehr fragwürdig umgesetzt


Wolfgang Huang