Score, The

USA, 124min
R:Frank Oz
B:Daniel Taylor, Kario Salem
D:Robert De Niro,
Edward Norton,
Marlon Brando,
Angela Bassett
L:IMDb
„Wie kann ich überprüfen, ob Du sauber bist? - Du könntest mich vögeln!”
Inhalt
Nick Wells (Robert De Niro), ein brillanter Safeknacker und im legalen Leben der Besitzer eines gut florierenden Jazzclubs in Montreal, mit einem letzten, gewaltigen Coup aus dem Geschäft zurückziehen. Doch die Sache hat einen Haken: Sein Freund und Auftraggeber Max (Marlon Brando) zwingt Nick dazu, bei der Vorbereitung mit seinen beiden eisernen Grundsätzen zu brechen: "Arbeite immer allein"und "Arbeite niemals in der Stadt, in der du
lebst". Das Objekt von Max’ Begierde ist ein unbezahlbares antikes Königszepter, das am wohl bestgesicherten Ort Kanadas liegt: hinter den Mauern des staatliches Zolllagers von Montreal. Um auch nur in die Nähe des Tresors zu kommen, braucht Nick die Hilfe eines Insiders - Jackie Teller
(Edward Norton). Der junge, talentierte Dieb hat sich unter falschem Namen in die Putzkolonne des Zolllagers eingeschleust und das Gebäude ausspioniert.
Nick ist skeptisch. Sein junger Partner ist ihm zu hitzköpfig, zu aggressiv, zu hungrig. Dennoch lässt er sich auf den Coup ein. Und als Jackies aufbrausendes Temperament die Planungen des kühl kalkulierenden Nick in Gefahr bringen, fallen Masken und prallen Egos aufeinander.
Kurzkommentar
Nach einer lahmen, ersten Stunde und einem halbwegs spannenden Finale, ist "The Score" insgesamt doch ziemlich enttäuschend, gerade wenn man sich die grandiose Besetzung vor Augen hält. Mit einem anderen, kompromißloseren Regisseur und einem verschärften Drehbuch wäre jedenfalls viel mehr drausgeworden.
Kritik
Das Kinojahr 2001 erinnert im Genre des "Heist"-Thrillers (wie die Amerikaner Filme nennen, in denen es um Einbrüche und Überfälle geht) etwas ans Jahr 1998, als mit "Armageddon" und "Deep Impact" zwei Filme mit nahezu identischer Grundkonstruktion in die Kinos schwappten. Neben "The Score" steht in den USA Ende August nämlich noch David Mamets "Heist" auf dem Programm. Und bei der ebenfalls recht guten Besetzung bestehend aus Gene Hackman, Danny DeVito und Delroy Lindo dürfte Mamets Ausflug ins Thrillergenre kaum inspirationsloser ausfallen als "The Score". Den hat Regisseur Frank Oz ("In and Out", "Bowfinger") nämlich trotz der guten Vorraussetzung in den Sand gesetzt.

Das beginnt bei der unfassbaren, weil stinklangweiligen Eröffnungssequenz und setzt sich in der darauffolgenden ersten Stunde fort, die die üblichen Stationen vor dem letzten, großen Coup durchkaut und trotz dreier charismatischer Darsteller so trocken ist wie ein Stück Marmorkuchen. Man glaubt es wirklich kaum: da findet man eine so großartige Konstellation von Darstellern vor und ihr Talent wird in so einer ideenlosen, lieblos heruntergespulten ersten Hälfte total zunichte gemacht. Das Problem dabei scheint gar nicht mal sehr das schwächelnde Drehbuch zu sein, sondern viel mehr die Regie Frank Oz'. Drei Topstars aus drei verschiedenen Generationen hat er vor sich und wie er in einem Interview meinte, hätte er bei so talentierten Stars nicht groß dazwischengefunkt, sondern DeNiro, Brando und Norton die Szenen einfach machen lassen. Nun, das sieht man dem Film auch an, denn was nicht nur die erste Stunde, sondern der ganze Thriller vermissen läßt, ist der Thrill. Hier fehlte eindeutig die zurechtweisende Hand eines kompetenten Regisseurs. Stattdessen endlose Dialoge und nachdenkliche Gesichter.

Glücklicherweise hat jeder Film aber auch eine zweite Hälfte und nach der lahmen, ersten Stunde hofft wohl jeder Zuschauer, daß wenigstens der finale Einbruch etwas Schwung in den Film bringt. Und das tut er auch. Trotzdem man auch beim endgültigen "Heist" weniger Spannung und Raffinesse geboten bekommt als beispielsweise in den exquisiten Sequenzen in "Mission: Impossible" und "Die Thomas Crown Affäre", so hat auch "The Score" seinen (mittelmäßigen) Höhepunkt in DeNiro's clever ausgeführtem, letzten Schachzug. Wie er den Safe knackt, hat schon was, obwohl man sich bei Nicks Überklettern der Videokamera im Nachhinein fragt, warum Partner Jack nicht schon zu diesem Zeitpunkt alle Kameras deaktiviert hat. Immerhin hat "The Score" auch noch zwei kleinere, hübsche Wendungen parat, die größtenteils Sinn machen, aber umso deutlicher zeigen, daß in "The Score" viel mehr Potential war, als Frank Oz genutzt hat.

Und was ist mit den Schauspielern? Die reissen sicher einiges raus, können aber nicht vertuschen, daß kein Hahn nach "The Score" gekräht hätte, wenn Oz nicht diese verdammt gute Besetzung zusammengetrommelt hätte. Erst war DeNiro an Bord, dann Brando und schließlich Edward Norton und Angela Bassett, deren erfrischende Partnerschaft mit DeNiro's Charakter allerdings ebenfalls verschenkt wurde. Und auch DeNiro muß sich nach seinen letzten Fehltritten "15 Minuten Ruhm" und "Makellos" wieder den Vorwurf gefallen lassen, doch einiges an Klasse verloren zu haben - das wird nicht zuletzt in seinem peinlichen Knatschversuch nach dem erfolgreichen Einbruch deutlich. Der einzige, der wieder mal restlos überzeugen kann, ist Edward Norton, auch wenn seine krude Doppelidentität etwas makaber wirkt. Was festzuhalten bleibt, ist, daß Frank Oz leider kaum Gefühl für Spannung und Ideen zeigt und seine tolle Besetzung ziellos vor sich hindümpelt. Da leihe ich mir doch lieber nochmal "Die Thomas Crown Affäre" in der Videothek aus und spule zu den erfrischenden Einbruchssequenzen vor.

Verschenkter Thriller


Thomas Schlömer