Shaolin Kickers
(Siu lam juk kau)

China, 88min
R:Stephen Chow
B:Stephen Chow, Kan-Cheung Tsang
D:Stephen Chow,
Vicki Zhao,
Man Tat Ng,
Yin Tse
L:IMDb
„Ich bin nicht gekommen, um zu kämpfen! Ich bin gekommen, um Fußball zu spielen!”
Inhalt
Zu seiner Zeit einer der großartigsten Fußballer, ließ sich "Golden Leg" Fung vor vielen Jahren im entscheidenden Spiel bestechen und verfehlte freiwillig das Tor. Es folgte der Abstieg zur geknechteten Kreatur Hungs, einst ebenfalls Fußballer und nun der Beckenbauer Hongkongs: Manager des unschlagbaren "Evil Team". Als er Fung den lange versprochenen Trainerjob verweigert, findet dieser endlich die Kraft sich loszusagen. Auf seinem Weg durch Hongkong begegnet Fung nun "Mighty Steel Leg" Sing (Stephen Chow), einem großen Kung-Fu-Meister. Mit seiner Idee Shaolin-Kung Fu mit Fußball zu kombinieren gibt Sing seinem Trainer und seinen Brüdern ihre Würde und ihren Kampfgeist wieder. Der neu gefundene Kampfgeist läßt das "Shaolin Team" von Sieg zu Sieg eilen – bis sie im Finale auf das "Evil Team" treffen.
Kurzkommentar
Eine etwas krude und platte Mischung, die Erfolgsregisseur und -darsteller Stephen Chow mit "Shaolin Soccer" präsentiert. Während die computergestützten Kung-Fu Einlagen auf dem Fußballplatz nicht ohne Witz sind und für einige Lacher sorgen, ist der Rest der Komödie eher gewöhnungsbedürftig. Der Gipfel des guten Geschmacks ist "Shaolin Soccer" jedenfalls nicht, dennoch unterhält er größtenteils.
Kritik
Die Filmwirtschaft der Volksrepublik China bzw. Hong Kongs hat es ganz schön schwer: nicht nur ausländische (vorwiegend amerikanische) Filme können dort mehr oder weniger legal als Video-CD oder DVD-Kopie gekauft werden, auch heimische Produktionen leiden verstärkt unter der Raubkopie-Wirtschaft. Das hat zum einen immense Auswirkungen auf die Bedeutung des Kinos in China, zum anderen fatale Konsequenzen für den heimischen Produktionsmarkt. Budgetstarke Epen werden in China selten realisiert, dazu ist das Geschäft zu riskant, der Auslandserfolg zu unberechenbar. Dennoch (oder gerade deswegen) gibt es einige, sehr viel versprechende Regisseure aus Ostasien: Wong Kar-Wai ("In the Mood for Love") für die Intellektuellen, Kaige Chen ("Lebewohl meine Konkubine"), Zhang Yimou ("Rote Laterne") oder auch Ang Lee fürs gepflegt Dramatische und John Woo, Takeshi Kitano ("Hana-Bi") und Johnny To ("Running out of Time") für die brutale Actionschiene. Stephen Chow, vielleicht der derzeit bekannteste und erfolgreichste Darsteller Chinas (ein Wunder, dass er außerhalb seines Landes so unbekannt ist), kann da wohl eher als Bully Herbig der Volksrepublik gelten. Seine Filme gelten vornehmlich als gesund-anspruchslose Unterhaltung. Und von Chow kommt nun auch der erfolgreichste chinesische Film aller Zeiten: "Shaolin Soccer", der mit knapp 60 Mio.$ Einspielergebnis in seinem Heimatland für große Aufmerksamkeit sorgte.

Ihn zu beschreiben, fällt dabei relativ leicht: "Shaolin Soccer" ist eine alberne Mischung aus Computer- und Drahtunterstützten Effekten und Sportkomödie, in diesem Fall Fußball. Im Gegensatz zu europäischen Sportproduktionen à la "Kick it like Beckham", die das Sujet nur nutzen, um gesellschaftliche Divergenzen aufzuzeigen oder auch Feel-Good Feeling rüberzubringen, legt es Chow darauf an, mit totaler Übertreibung zu unterhalten. Das gelingt größtenteils, soviel sei bereits gesagt, aber die Scherze sind doch häufig allzu platt.

Das größte Problem scheint in meinem Fall aber vor allem der kulturelle Hintergrund zu sein. Fettwänste, die sich rohe Eier in den Mund stopfen, scheinen irgendwie spezieller, chinesicher Humor zu sein, auch wenn sich derartige Scherze glücklicherweise in der Minderheit befinden (und wer sagt, dass sich Chinesen nicht genauso wundern, wenn ihnen ein tuntiger Apache vorgesetzt wird). Aber auch sonst wird Subtilität in "Shaolin Soccer" nicht gerade großgeschrieben. Merkwürdige Subplots um eine ach-so hässliche Bäckerin, die in den Brotteig weint (hübsche Idee, aber völlig deplatziert), Kung-Fu Karaoke und unnötige Brutalitäten (versagt ein Spieler, drischen auf ihn erstmal Teammitglieder mit Baseball-Schlägern ein) liegen, vorsichtig formuliert, nicht ganz auf meiner persönlichen Wellenlänge.

Dennoch macht "Shaolin Soccer" oft sehr viel Spaß. Der Hauptgag, nämlich die Veralberung des Fußballsports mittels computergestützter Kung-Fu Einlagen, wird zwar unendlich oft wiederholt, die Einfälle variieren jedoch vielfältig. Chow und seinem Co-Autor Tsang fallen immer noch abgedrehtere Ideen ein, wie man Drahttechnik und unnatürliche Physik dazu nutzen kann, Fußball zu "spielen", die Dramaturgie ist durchaus vorhanden und bis zum großen Endspiel bekommt man tricktechnisch einiges geboten - auch wenn die Effekte teilweise mehr als unausgereift sind.

Insgesamt hat Chow glücklicherweise das wichtigste nur selten vergessen: die Ironie. Und deshalb funktioniert "Shaolin Soccer" auf einer gewissen Ebene durchaus. Unterhalten wird man in jedem Fall, nur seinen Humor sollte man evtl. anpassen.

(Zum Schluss noch ein Hinweis zur Fassung, die in den USA und vermutlich auch in die deutschen Kinos kommen wird: der US-Distributor Miramax hat den Film von 111 auf 87 Minuten zurechtgestutzt, dabei Rückblenden fallen gelassen und Details geändert wie etwa einen nackten Torwart noch mit einer Unterhose zu versehen. Inwieweit das den Filmgenuss beeinträchtigt, bleibt mir verborgen. Erste Kritiken sprechen aber von einer erträglichen "Anpassung" für den US-Markt.)

Harmlose Komödie mit gewöhnungsbedürftigem Humor


Thomas Schlömer