Born 2 Die
(Cradle 2 the Grave)

USA, 101min
R:Andrzej Bartkowiak
B:John O´Brien
D:Jeli Li,
DMX,
Anthony Anderson,
Kelly Hu,
Mark Dacascos
L:IMDb
„Watch my nuts, alright?”
Inhalt
Das gefährliche Pflaster der Großstadt ist sein Spielplatz: Tony Fait (DMX) ist ein charismatischer, mit allen Wassern gewaschener Martial-Arts-Experte, der sich hundertprozentig auf sein Profi-Team verlassen kann. Sein Durchsetzungsvermögen wird nur von seiner bedingungslosen Liebe zu seiner Tochter Vanessa (Paige Hurd) übertroffen.
Nachdem Fait einen ausgeklügelten Raubüberfall inszeniert hat, bekommt er es plötzlich mit einem taiwanesischen Regierungsagenten zu tun: Der unerbittliche Su (Jet Li) verfolgt jene schwarzen Diamanten, die sich jetzt in Faits Hand befinden, schon um die halbe Welt. Er hat es nicht nur auf die Diamanten abgesehen, sondern auch auf den skrupellosen Ling (Mark Dacascos), seinen ehemaligen Partner, der jetzt Faits Tochter kidnappt, um sie gegen die Steine auszutauschen.
Kurzkommentar
Wieder mal ist der Titel Programm, und das ist definitiv zum abgewöhnen. Nach „Romeo Must Die“ legt Andrzej Bartkowiak mit einem weiteren Jet Li-Streifen nach. „Born To Die“ ist schematischer Actionstumpfsinn unterster Kategorie, ein Rückschlag für alle Beteiligten. Den Gnadenpunkt gibt es für einen unter widrigen Bedingungen prügelnden Li und einige solide Pyroeffekte.
Kritik
Vieles ist nur solange ein Verkaufschlager, wie es als Original exportiert und nicht am anderen Ort produziert wird. Mit Bezug auf die Filmindustrie scheint das jüngst einmal mehr für Hollywood und die Stars des Hongkong-Kinos zu gelten. Jackie Chan, Martial-Arts-Kasper mit Legendenstatus, macht zwar auch in Amerika veritable Kassenerfolge (die dann wie „Rush Hour“ und „Shanghai XY“ auch gleich in Endloserie gehen), doch trotz des exotischen Faktors will der Clash der Kulturen nicht richtig funktionieren. Dass Darsteller aus chinesischen Eastern in erster Linie Kampfsportler und erst in zweiter Linie Schauspieler sind, macht auch der Exportartist Jet Li mit schlagenden Argumenten deutlich.

Doch er mag prügeln so viel er will, seitdem Li in Amerika Fuß zu fassen versucht, kommt die Karriere nicht aus dem Quark. Von seinen bisherigen drei Hollywood-Produktionen („Romeo Must Die“, „Kiss of the Dragon“ und „The One“) war gerade die letzte ein erbärmliches dumpfes Spektakel. Und „Born To Die“ knüpft hier nahtlos an. Dass Lis neueser Ausfallschritt jedes Niveau erneut vermöbelt überrascht ebenso wenig, dass der Streifen analog dazu sich schon jetzt mit dem fraglos dämlichsten Titel des Jahres schmücken darf. „Born To Die“, da bleibt wenigtens kein Platz für Missverständnisse und lange Überlegungen. Hirn aus, Faust raus. Die Kung-Fu-Rap-Synthese hält, womit der Titel droht.

Dabei mag vor der Wahl von Titel und Drehbuch alles noch vielversprechend gewesen sein, hatten Regisseur Andrzej Bartkowiak und Produzent Joel Silver mit „Romeo Must Die“ für Jet Li doch einen Hollywood-Erstling gebastelt, der Lust auf mehr machte. Hier nun also der Nachschlag vom gleichen Team, doch gefragt hatte nach zwei Jahren keiner. Das Ergebnis ist peinlich für alle Beteiligten, insbesondere für John O´Brien, den Drehbuchautor. Er kleistert eine unsäglich abgelutschte Aneinanderreihung aller Klischees des Actiongenres im allgemeinen und des Zusammengehens von Rap, Metal, Martial-Arts, mächtiger Coolness-Attitüde und nervender Komik im besonderen.DMX darf im obligatorischen Dresscode standesgemäß fluchen und Jet Li eigentlich in jeder Szene zünftig zuschlagen.

Dazwischen liegen Leerräume. In ihnen gibt Li erneut seine eingefrorene Mine und einige Routinesätze zum Besten, derweil die krude „Thriller“-Story um zwei ungleiche Partner, die dem die Tochter entführenden Schurken auf die Pelle rücken, zunehmend schmerzvoller wird. Spannung bietet dieser Blödsinn keine, aber jeden erdentlichen Vorwand für brachiale Gewalt. Schließlich, wenn es es sogar mit Panzern zur Sache geht, gipfelt die Straßenschlägershow in einem würdigen Finale. Aber da dürfte jede Geduld auch beim härtesten Zuschauer bereits erledigt sein. Wer tatsächlich nach einem Argument für dieses unappetitliche Spektakel sucht, findet ihn einigen sehenswerten, weil aufwendigen Zerstörungszenen und in Jet Li. Denn letztlich zerlegt er sie alle.

Stupider Actionmüll, allenfalls sauber im Handwerk


Flemming Schock