Extreme Rage
(Man Apart, A)

USA, 110min
R:F. Gary Gray
B:Christian Gudegast, Paul Scheuring
D:Vin Diesel,
Larenz Tate,
Timothy Olyphant,
Geno Silva
L:IMDb
„You must become a monster”
Inhalt
Sean Vetter (Vin Diesel) und sein Partner Demetrius Hicks (Larenz Tate) sind im Hexenkessel von Los Angeles aufgewachsen. Jetzt arbeiten beide für die Drug Enforcement Agency – seit sieben Jahren versuchen sie den massiven Drogenstrom an der amerikanisch-mexikanischen Grenze einzudämmen. Endlich zahlt sich ihre Hartnäckigkeit aus: Sie verhaften den berüchtigten Memo Lucero (Geno Silva), Boss des Baja-Kartells. Schon bald entbrennt der Kampf um Luceros Nachfolge im Baja-Kartell – dabei tut sich der undurchsichtige Diablo besonders brutal hervor. Als Vetter und Hicks alles daran setzen, den rabiaten und geheimnisvollen neuen Drogenlord zu identifizieren und dingfest zu machen, fühlt sich Diablo persönlich beleidigt: Er nimmt Vetter den einzigen Menschen, der seinem Leben Sinn gibt – Stacy.
Kurzkommentar
Ein Rachefeldzug mit Vin Diesel: dieser minimalistische Reiz von „Extreme Rage“ ist von Regisseur F. Gary Gray leider inkonsequent umgesetzt. Statt entschlossen das zu bieten, was erwartet wird, und zwar Coolness und atemlose Action, hat Vin Diesel mit einem mühseligen Charakter zu ringen und der Zuschauer mit einem sagenhaft ausgelatschten Plot um ein Drogenkartell und dessen ominösen Kopf. Bis dieser gradlinig zur Strecke gebracht wird, hält „Extreme Rage“ phasenweise durch hartgesottene Machoattitüde, „Diesel-Power“ und stilistisch überzeugend verpackte Gewalt bei Laune.
Kritik
Filme brauchen Titel, die das Image des Hauptdarstellers am sinnfälligsten transportieren. Wenn ein Actionstar vor allem vonseiten der Produzenten gefeiert und „XxX“-mal installiert wird, gilt das besonders. „A Man Apart“ ist da als Aufhänger schon griffig gewählt, beinahe besser aber noch „Extreme Rage“, der deutsche Titel. Denn er gibt im Grunde auch schon die Inhaltsbeschreibung: ein Mann, rein physische Brachialität, startet einen verwüstungsfreudigen Rachefeldzug. Das ist eigentlich alles, das muss Vin Diesel sein. Wer die markante Glatze mit dem sonoren Stimmorgan schon seit dem originellen Sci-Fi-Horror „Pitch Black“ (2000) nicht ab kann, wird den Titel richtig als Warnung deuten. Diesel Fans hingegen, die auf ordentlich Durchschlagskraft hoffen, liegen richtig.

Regisseur F. Gary Gray verlässt sich so sehr auf Präsenz und Zugkraft seines Hauptdarstellers, dass er dafür jede Nuance aufopfert und die Drehbuchdebütanten Paul Scheuring und Christian Gudegast einen Drogenthriller auswerfen lässt, der nicht bloß unter Klischees leidet, sondern selbst Klischee ist. Das schade, denn der 33-jährige Gray, dessen Remake „The Italian Job“ als nächstes ins Kino kommt, drehte mit „Verhandlungssache“ (1998) einen Thriller mit psychologischem Feinschliff und Spannung erster Güteklasse. Jetzt ist aber Diesel im Einsatz, das verheißt satte Machosprüche mit hohem Plättungsfaktor. Das nervend Requisitenhafte der Handlung beginnt schon bei Frauenrolle mit Schlüsselreizfunktion: nach Kerzenlichtromantik muss die Polizistenfrau sterben, damit der harte Cop besinnungslos wütend wird.

Diese Seite zeigt Diesel mit überzeugender Wucht. Es mag sein, dass er in dem von Trauer und Rachegelüsten zerfetzten Polizisten seine bisher anspruchvollste Rolle findet. Das meint jedoch: sich einen Bart wachsen lassen und mit immer gleicher, versteinerter Mine den Antagonisten kräftig eins in die Visage zu geben. Das ausgeleierte Drogenbossszenario samt eines notwendigen, aber zumindest respektablen Sidekicks (Larenz Tate) kittet die Gewaltentladungen allerdings nur mit zu viel Leerlauf zusammen. Zu oft zeigt Gary Gray seinen Selbstjustizhelden in phrasenhaften Strandhausbildern in sich gekehrter Trauer als schalen, kontrastiven Ruhepunkt, der die Rasanz faust- und bleihaltigen Momenten immer wieder ausbremst. Immerhin gibt den obsessiven Grenz- und Alleingänger überzeugend.

Die absehbare Gradlinigkeit der Geschichte, die typisierten Figuren, die schrecklich platten, zuweilen amüsierenden Dialoge und Stereotypen aus Drogenkartellstreifen – all das würde für die Videothek qualifizieren. Wenn Diesel aber zulangt und von Clint Eastwoods Kameramann Jack N. Green entsprechend in Szene gerückt wird, gewinnt „Extreme Rage“ stylische Qualitäten. Das Raubeincharisma von Diesel samt eines Kontrollverlustes kommt in den zum Teil drastischen Actionsequenzen mit moralischem Einschlag (Vetter prügelt einen Schurken mit bloßen Fäusten zu Tode) voll zur Geltung. Die Belange der Fans dürften damit einigermaßen bedient sein, mehr aber auch nicht. „Extreme Rage“ ist nicht kompromisslos genug, hätte den Alleingang konsequenter zeigen sollen.

Und statt es im Finale noch einmal so richtig standesgemäß krachen lassen, endet „Extreme Rage“ mit einer lächerlichen Strohhutszene und einer billig konstruierten, adrenalinlosen Auflösung. Das offensichtliche Klassenziel des Streifens, Vin Diesel mehr und mehr als identifikationswürdiges Actionidol der neuen Generation zu festigen, bleibt unerreicht, verliert sich in Protzsprüchen und ausgeleierten Genremomenten. „Extreme Rage“ taugt gerade für Stressabbau und Zwischendurchkonsum, als langweilige Stangenproduktion bringt er jedoch keinen der Beteiligten voran. Da bleibt nur das Warten auf funktionstüchtigen Nachschlag, auf „XxX2“ und „Pitch Black 2“.

Uniformer, träger Drogenthriller mit protzigem "Diesel"-Bonus


Flemming Schock