Down with Love - Zum Teufel mit der Liebe
(Down with Love)

USA, 101min
R:Peyton Reed
B:Eve Ahlert, Dennis Drake
D:Ewan McGregor,
Renée Zellweger,
Sarah Paulson,
David Hyde Pierce
L:IMDb
„Mein Buch propagiert lediglich, dass Schokolade die gleichen Hormone freizusetzen vermag wie Sex”
Inhalt
Mitten hinein in die heile, bonbonfarbene Welt der sechziger Jahre platzt die bislang unbekannte Autorin Barbara Novak (Renée Zellweger) mit ihrem höchst skandalösen Buch „Down with Love“. Darin propagiert sie Sex ohne Liebe, Selbstbestimmung und die absolute Gleichstellung der Frauen. Ein Affront! So eine Furie kann ja nur eine dröge alte Jungfer sein, denkt sich Star-Journalist und Casanova Catcher Block (Ewan McGregor) und macht sich mit unlauteren Mitteln an die Demontage der Ikone von Millionen Frauen. Doch der Schürzenjäger rechnet nicht mit den perfiden Machenschaften seiner Kontrahentin.
Kurzkommentar
Was dem “unmöglichen Härtefall” jüngst nicht wirklich gelang, macht „Down with Love“ genau richtig: eine flotte, an visuellen wie inszenatorischen Einfällen überbordende Ansammlung an Screwball- und Sixties-Zitaten mit zwei harmonierenden Darstellern wird zum süffisanten Komödienereignis voller Stereotypien und deren Ironisierung. Zur Erklimmung der Spitze des Genres fehlt es dem Dialog zwar noch am entscheidenden Quentchen Würze und Biss, insgesamt kann „Down with Love“ aber mühelos als eine der besseren romantischen Komödien gelten.
Kritik
Das Genre der Screwball-Komödien, also jener Romanzen, die den altbewährten Kampf der Geschlechter vornehmlich mit bissigen Dialogen und viel Süffisanz feiern („Screwball“ ist ein Begriff aus dem Baseball, der einen besonders hinterlistig-gedrehten Wurf charakterisiert), hat eine lange Geschichte hinter sich: von Ernst Lubitsch über Howard Hawks bis hin zu Billy Wilder prägten sie ganz entscheidend die amerikanische Komödienlandschaft von den 20ern bis in die 70er. Für viele waren sie neben den Musicals Fred Astaires stellvertretend für die „heitere“ Seite Hollywoods und nicht zuletzt prägend für Generationen von Filmschaffenden. Auch genreübergreifend: Quentin Tarantino etwa gibt in jedem zweiten Interview an, dass er „Sein Mädchen für besondere Fälle“ von Howard Hawks für eine seiner Lieblingskomödien hält. Und „Jerry Maguire“ und „Almost Famous“-Regisseur Cameron Crowe hat sogar einmal geschrieben, dass acht von zehn der „wichtigsten“ Regisseure der Neuzeit ihm gegenüber angegeben haben, dass Billy Wilder („Manche mögen’s heiß“) der prägende Regisseur ihrer Zeit gewesen ist.

Auch die Coen-Brüder haben jüngst die Gelegenheit ergriffen, dem Genre Tribut zu zollen und „Ein (un)möglicher Härtefall“ mit George Clooney und Catherine Zeta-Jones inszeniert. Dass dieser letztlich gescheitert ist, lag weniger an der zweitwichtigsten Zutat, nämlich dem richtigen Casting, sondern vielmehr an der wichtigsten, einem bissigen Drehbuch. In einer „Screwball“-Komödie müssen die Fetzen fliegen, müssen sich die Charaktere ankeifen und gegenseitig in den Wahnsinn treiben, sich hinterlistig umspielen und hinters Licht führen. Das haben die Coens zweifelsohne versucht und waren damit teilweise auch erfolgreich, wirklich in Fahrt kam ihr Geschlechtergezanke aber nie, von nachvollziehbaren Gefühlen zwischen Miles Massey und Marylin Rexroth ganz zu schweigen. Dennoch war der Film in Amerika ein veritabler Erfolg und das wird er aufgrund des Marketings und den beiden Darstellern auch hier sein, aber wie man’s wirklich richtig macht, zeigt „Down with Love“. Dieser spielt so wunderbar und selbstverständlich mit seinen Figuren, seinen Dialogen, dem 60er Jahre Setting, alten Klischees, neuen Klischees und solchen, die schon wieder neu sind, weil sie bereits so alt sind, dass es nur so eine Freude ist.

Wesentlichen Anteil am Gelingen dieser Hommage an die unbeschwerten Komödien der Rock Hudson/Doris Day-Zeit haben dabei dreierlei Dinge: zum ersten das überdurchschnittliche Drehbuch, zum zweiten die charismatischen Darsteller und zum dritten die nahezu perfekte Inszenierung. Dass die Story dabei ein Konglomerat aus den üblichen Komödienversatzstücken ist, ist gleichzeitig so unspannend wie unbedingt nötig, denn ohne die Stereotypie würde „Down with Love“ nicht funktionieren: die Frau, die sich emanzipiert und jeglichen Männern abschwört, der Macho, der sie alle haben kann (und auch nimmt) und glaubt, auch diese eine mühelos bekommen zu können; das ist natürlich weit davon entfernt nur irgendwie innovativ zu sein. Aber „Down with Love“ spielt mit den bekannten Elementen auf kunterbunte Weise, versprüht dabei eine ungemeine Fabulierlust, diese Bausteine in den 60er Jahre Topf zu tauchen und (quasi der „heutigen Generation“) filmisch aufgefrischt zu servieren. Visuell, musikalisch, choreographisch, schauspielerisch – wie etwa in dem lakonischen Gegenschnitt der beiden „Fly me to the Moon“-Varianten oder der Szene, die mal eine etwas andere Interpretation von „Telefonsex“ offenbart – werden hier wirklich alle (ironisierten) Register gezogen, die zur nostalgischen Süffisanz nur irgendwie beitragen konnten.

So pflegen Ewan McGregor, Renée Zellweger, David Hyde Pierce und Sarah Paulson nicht nur dezentes Overacting, sondern vermitteln darüber hinaus auch unheimlichen Spaß an der Sache: sich gegenseitig zappeln zu lassen, mal die/den Draufgänger(in), dann wieder die/den Schüchterne(n) vom Lande zu spielen und dabei immer Herr(in) der Lage sein zu wollen, das bringen McGregor und Zellweger in jeder Sekunde gekonnt rüber. Und dass beiden das poppig-musikalisch Kunterbunte liegt, haben sie ja bereits in „Moulin Rouge“ bzw. „Chicago“ bewiesen. Zusammen mit dem inszenatorisch nahezu perfekten Handwerk macht „Down with Love“ aus dieser Sicht einen wirklichen äußerst durchdachten Eindruck.

Problematisch wird da maximal, dass Regisseur Peyton Reed („Girls United“) sich zum Ende hin nicht ganz mit der überbordenden Ansammlung von nostalgischen Elementen begnügt und zwanzig Minuten vor Schluss noch eine entscheidende Wende einbauen musste, die dann hinterher gleich noch ein paar Bögen schlägt. Dieses Auf-den-Kopf-stellen passt zwar durchaus zum Charakter des Films und ist letztens Endes nicht wirklich störend, logisch kann man es aber wohl auch nicht nennen. Macht aber nichts, denn die wunderbare Besetzung rettet mühelos jede Szene und rundet diesen Komödiengenuss damit aufs Sympathischste ab.

Genussvoller Kampf der Geschlechter in handwerklich perfektem Gewand


Thomas Schlömer