Tränen der Sonne
(Tears of the Sun)

USA, 118min
R:Antoine Fuqua
B:Alex Lasker, Patrick Cirillo
D:Bruce Willis,
Monica Belucci,
Cole Hauser,
Johnny Messner
L:IMDb
„All that is needed for the triumph of evil is for a good man to do nothing.”
Inhalt
Die Spezialeinheit von Lieutnant Waters (Bruce Willis) erhält den Auftrag, vier amerikanische Staatsbürger (Monica Bellucci, u.a.) aus den Wirren des nigerianischen Bürgerkrieges zu retten. Zunächst folgt Waters strikt seinen Befehlen, muss dabei jedoch zahlreiche dem Tode geweihte Nigerianer schutzlos zurücklassen. Schließlich folgt er seinem Gewissen, doch das hat unabsehbare Konsequenzen...
Kurzkommentar
Technisch gesehen überzeugt »Tears of the Sun«, inhaltlich jedoch kann er den Vorwurf der Kriegspropaganda nicht gänzlich von sich weisen, was einen gerade in diesen Zeiten mit gemischten Gefühlen auf den Film blicken läßt.
Kritik
Lange Zeit gibt »Tears of the Sun« vor, unpolitisch zu sein. Die Handlung ist zwar notwendigerweise wie jeder Kriegsfilm vor einem politischen Hintergrund angesiedelt, doch ansonsten enthält sich Fuqua weitestgehend politischer Kommentare und insbesondere US-patriotischer Anwandlungen, anders als etwa »Black Hawk Down«.

Unumstritten positiv läßt sich zunächst anmerken, dass die Fotografie, die einen interessanten Grat zwischen minimalistisch und intensiv geht, sehr gelungen ist. Auch wenn ausser Dschungel, Regen und Willis' Gesicht wenig zu sehen ist, so ergeben die Aufnahmen durch den gekonnten Schnitt, zusammen mit Zimmers Musik, die zwar an seine Action-Scores erinnert, aber - auch dank eines durchgehenden »Afro-Themas«- weit weniger martialisch erscheint, eine gelungene ästhetische Kombination. Dabei folgt Fuqua aber der spätestens seit den Vietnam-Filmen bestehenden Notwendigkeit, auch oder besonders die hässliche Fratze des Krieges zu zeigen. Inwiefern die Ästhetisierung von Krieg, Konflikt und Gewalt angemessen ist, ist schwer zu beurteilen und wohl weitgehend dem persönlichen Empfinden überlassen - auf mich wirkte sie jedoch nicht störend.

Obwohl Willis zunächst als unerwartete Wahl erscheint, füllt er seinen Part doch ansprechend aus. Nach dem Wechsel vom Action- ins Charakterfach scheint ein Kriegsfilm nicht die naheligendste Wahl, doch erstaunlicherweise ist Willis trotz seiner filmischen teils plumpen Vergangenheit der Rolle gewachsen. Weder gibt er den übergroßen Helden noch den scharfen Sergeant, vielmehr ist er ein einfacher, disziplinierter Soldat, der zwar stets seine Befehle befolgt, zugleich aber in eine Art innere, zynische Resignation verfällt. Die extreme Wortkargheit sowie die charakteristisch Harten Linien Willis' tragen durchaus zur Glaubwürdigkeit bei. Die restlichen schauspielerischen Leistungen erscheinen unbedeutend, Monica Bellucci fällt nicht sonderlich positiv auf.

Die Handlung ist, um es positiv auszudrücken, unkompliziert und direkt, just das, was man im Amerikanischen »straight-forward« nennen würde. Nachdem sich Waters' Gewissen gemeldet hat, besteht der Rest des Films überwiegend aus der Flucht zur Grenze Kameruns mit gelegentlichem Feindkontakt. Erst das Ende bietet wieder Abwechslung, und auch durchaus unerwartete Storywendungen. Eine gewisse Länge scheint dabei unvermeidlich, passt aber recht trefflich zur filmischen Situation.

Bis hierhin könnte man »Tears of the Sun« für einen nicht gerade meisterhaften, aber immerhin soliden Kriegsfilm halten, eine weitere Variation des Themas. Wer möchte, kann sich mit der oberflächlich transportierten Botschaft zufrieden geben, die da besagt dass ein anständiger Mann seinem Gewissen folgen sollte, weil auch die Handlungen eines Einzelnen entscheidend für andere sein können.

Verschiedene Aspekte lassen einen jedoch stutzig werden: Die bis fast zum Ende durchgehaltene, konsequente Entpolitisierung grenzt fast schon an systematische Desinformation. So wird beispielsweise die Rolle Amerikas bzw. des Westens in den Stammeskonflikten Afrikas nicht mit einer Silbe erwähnt. Dass sich hier nicht einfach barbarische Unzivilisierte grundlos den Kopf einschlagen, sondern die Folgen der Kolonialisierung, die willkürliche Grenzziehung durch westliche Mächte und die Effekte der Blockbildung während des Kalten Krieges, die so manchen brutalen Herrscher von US Gnaden zustande brachte, eine Rolle spielen, hätte durchaus erwähnt werden können. Verschweigen als System ist übrigens in Hollywood nicht neu: Vom New Deal bis zur McCarthy-Ära beispielsweise gab es ein ungeschriebenes Gesetz, dass Gewerkschaften in Filmen tunlichst nicht vorzukommen hatten - was man nicht erwähnt, existiert auch nicht. Denn an der organisierten Solidarisierung ihrer Angestellten haben die Studios damals wie heute kein Interesse.

Kurz vor dem Abspann erstaunt Fuqua den Zuschauer dann mit einem Zitat des britischen Politikers Edmund Burke: »All that is needed for the triumph of evil is for a good man to do nothing.« Oberflächlich lässt sich diese Aussage freilich akzeptieren, und gerade auf individueller Ebene, der vorrangigen Ebene des Films, mag man vorbehaltlos zustimmen. Doch auch wenn Fuqua die aktuelle politische Situation - den Irak-Krieg - in seiner Aktualität nicht vorhersehen konnte, so eröffnet sich in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung. Leicht ließe sich das Zitat, und somit der Film, als Kritik jeglicher Art von Appeasement-Politik verstehen, ja gar als Rechtfertigung sogenannter präventiver Verteidigung. So gesehen stößt Fuqua genau ins Horn der gegenwärtigen US-Regierung und dürfte bald zum Lieblingsfilmemacher George Bushs avancieren. Denn genau dies ist die momentane offizielle Haltung: Das Böse muss aufgehalten werden, und nur die USA als verbleibende Supermacht ist dazu in der Lage. Nicht nur das: Es ist ihre moralische Pflicht, und alle anderen Länder sollten ihr dafür dankbar sein.

Weitere politische Diskussionen sollen ausserhalb dieser Kritik stattfinden, offensichtlich wird jedoch, dass Fuquas Film hier sehr zwiespältig und mit Vorsicht zu genießen ist. Man ist versucht, den Film anhand der Intention des Regisseurs zu bewerten. Als unpolitischer Film ist er solide und durchaus sehenswert, als Rechtfertigung des amerikanischen Hegemoniestrebens auf vorgeblich moralischer Basis ist er verabscheungswürdig. Die Entscheidung in dieser Frage bleibt aber (leider) dem Zuschauer überlassen.

Formal überzeugender, inhaltlich jedoch zwiespältiger Kriegsfilm


Wolfgang Huang