Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith
(Star Wars: Episode III - Revenge of the Sith)

USA, 139min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:George Lucas
B:George Lucas
D:Ewan McGregor,
Hayden Christensen,
Natalie Portman,
Ian McDiarmid,
Samuel L. Jackson
L:IMDb
„So that’s how liberty falls. With thundering applause.”
Inhalt
Im letzten Akt der Saga wüten die Klonkriege und führen dazu, dass sich die Kluft zwischen Kanzler Palpatine und dem Jedi-Rat immer weiter vergrößert. Dabei gerät der junge Jedi-Ritter Anakin Skywalker in einen schweren Gewissenskonflikt - ratlos, wem er dienen soll. Schließlich aber erliegt er, geblendet von deren Machtverheißungen, den Versuchungen der dunklen Seite, schwört dem bösen Darth Sidious die Treue und nimmt die Identität von Darth Vader an. Zusammen beginnen die Sith-Lords einen Rachefeldzug, der in der Ermordung der Jedi seinen Anfang nimmt. Einzig Yoda und Obi-Wan überleben, vereint in ihrem Willen, die Sith zu stellen.
Kurzkommentar
Mit „Revenge of the Sith“ findet die „Star Wars“-Serie wieder zur Form und George Lucas seine Absolution. Dass der Film mehr ist als eine bloße Achterbahnfahrt und auch von sich behaupten kann, eine spannende und emotionale Geschichte zu erzählen, liegt vor allem an der Ernsthaftigkeit, mit der Lucas seine Studie des Bösen inszeniert, aber auch an seiner Fähigkeit, die tragische Dimension seiner Erzählung transparent zu machen. Sicher ist auch dieses Prequel phasenweise grausam kindisch und fürchterlich platt, die Grundstimmung trifft aber den richtigen Ton.
Kritik
„War! Evil is everywhere!“ – Wem diese Worte des Vorspanns zum dritten „Star Wars“-Prequel bereits zu plump sind, dem wird auch dieser Teil nur bedingt Freude bereiten, soviel kann wohl vorweg gesagt werden. Nach knapp zehn Jahren Arbeit vollendet George Lucas mit „Revenge of the Sith“ seine Trilogie vom vorlauten Dreikäsehoch, der auszog, der „Auserwählte“ zu sein, sich dann aber dummerweise als größte Bedrohung der Galaxis herausstellte. Und Lucas, der auszog, „die vollständige Geschichte“ zu Ende zu erzählen, stellte sich bislang dummerweise als größter Spielverderber seiner Fanbasis heraus. Ungelenk und reichlich krude waren die ersten beiden Prequels größtenteils, weit davon entfernt nur irgendwie das Label „Film“ im Sinne einer flüssig erzählten Geschichte mittels photographischer Ideen zugesprochen bekommen zu können. „The Phantom Menace“ aber auch „Attack of the Clones“ wirkten eher wie eine konzeptlose Aneinanderreihung von Actionszenen, Blafasel und Reminiszenzen, auch wenn Lucas’ Wille, eine mythologisch aufgebohrte Geschichte zu erzählen, durchaus spürbar war. Allein, es fehlte ihm an Kompetenz.

„Revenge of the Sith“ macht nun alles besser, nichts perfekt, aber doch eben das meiste richtig. Er ist atmosphärisch, spannend, emotional und erzählt eine gute Geschichte – trotzdem deren Eckpunkte ja bereits seit zwanzig Jahren bekannt sind. Nach einer ganzen Dekade Experimentier- und Pionierarbeit mit digitaler Photographie und einer vollständig digitalen Arbeitskette wird Lucas endlich Herr seiner Werkzeuge und lässt sie nicht mehr ganz so drastisch den Inhalt dominieren. Kein Pod-Rennen, das zentralen Raum der Geschichte einnimmt wie noch im ersten Teil, keine Videospielsequenz wie das Gehüpfe auf dem Fertigungsband aus Episode II. Ist die erste halbe Stunde, die nochmal all das zusammenfasst, was man an den Vorgängerteilen unerträglich finden konnte (dämliche Roboter, kindischer Humor, Action um der Action willen), erst einmal überwunden, findet „Revenge of the Sith“ zu einer erzählerischen und motivischen Dichte, wie man sie Lucas kaum noch zugetraut hat.

Besonders bemerkenswert und maßgeblich für das Gelingen des Films verantwortlich ist die Konsequenz, mit der Lucas den Niedergang seiner Hauptfigur verfolgt, ohne in Momente des Comic-Relief oder Zugeständnisse an ein ganz junges Publikum zu verfallen. Mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit seziert er Anakins Verfall zur dunklen Seite und schmückt sie komplexer aus als erwartet: es sind weniger per-se negative Eigenschaften wie Machtgelüste, Hass und Übermut, die Skywalkers Wandlung zu Darth Vader begründen, es sind vor allem auch Naivität, die Verzweiflung angesichts des drohenden Schicksals seiner Frau und die daraus entwachsene Intrige, die Anakin letztlich die Rückkehr zum Guten verwehren; grundmenschliche Züge und Schwächen, wenn man so will. Man spürt den Zwiespalt Anakins zwischen Pflichterfüllung und Verlangen, zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Gutes-tun-wollen und Der-Verführung-erliegen. Zum ersten Mal ist ein Teil der Prequel-Trilogie auch mehr als bloßes Bebildern behaupteter Tatsachen: man spürt das Innenleben einer Person.

Die erzählerischen Kniffe, die Lucas verwendet, um diesen zentralen Aspekt des Films glaubwürdig zu gestalten, mögen dabei auf schamloses Plündern gängiger mythologischer und biblischer Motive zurückzuführen sein, aber zum einen waren diese Stoffe schon immer Nährboden seines Universums, zum anderen kann man nicht behaupten, dass Lucas sie nicht geschickt kombiniert: wirkte etwa die unbefleckte Empfängnis, die „The Phantom Menace“ für Anakin Skywalker proklamierte, noch wie hoffnungsloses Kitschtheater (ein Umstand, der allerdings weniger der Idee, sondern viel mehr Lucas’ unbeholfener Inszenierung geschuldet ist), bekommt sie in einer der besten Szene von „Revenge of the Sith“ eine leicht subversive Note: während einer ätherischen Opernszene berichtet Palpatine Skywalker von der Fähigkeiten hochausgebildeter Sith-Lords, die Lebenden vor dem Tode zu bewahren, indem die in ihnen vorhandenen Midichlorianer kontrolliert werden.

Lucas deutet hier an, lässt aber offen, ob der Imperator für die Geburt Skywalkers (mit)verantwortlich ist, verweist aber zumindest überdeutlich auf die christliche Judas-Problematik: Anakin wird damit geködert, den Tod Padmes verhindern zu können, der – wie sich am Ende herausstellen wird – quasi freiwillig erfolgen wird. Die Geburt des eigentlichen Auserwählten Luke und die Erfüllung der Prophezeiung („to bring balance to the force“) geschehen also nur, weil Anakin dem Bösen verfällt und seine Traumvisionen entgegen seiner ursprünglichen Absicht Realität wird? Keine Erlösung ohne Verrat? Und wie gut kommt der Jedi-Rat weg, wenn er zur Erfüllung der Prophezeiung samt seiner „Bürokratie“ und seinem „Dogmatismus“ ausgelöscht wird?

Lucas bemüht sich in der Tat, seinem Stoff (wie etwa auch den darin enthaltenen, politischen Implikationen: Sturz einer Demokratie, Übernahme durch eine Diktatur) Substanz abzugewinnen, aber sein wahrer Erfolg dürfte es sein, diese Elemente homogen und eben nicht allzu vordergründig in eine funktionierende, emotionale Geschichte einzugliedern: das Empfinden Yodas, als Mentor gescheitert zu sein, der Hinterhalt, der die Jedi-Ritter ausrottet, die Enttäuschung Obi-Wan’s, seinen Schüler und „einen guten Freund“ verloren zu haben. Weil diese Szenen funktionieren, nimmt man gerne die käsige, erste halbe Stunde in Kauf, die in ihrer kindlich-naiven Unbeschwertheit immerhin insofern funktioniert, als dass sie den Kontrast zum folgenden Untergang und damit die tragische Dimension der Geschichte umso deutlicher macht. Und wenn Ian McDiarmid als Imperator Palpatine eines deutlich macht, dann, dass den beiden ersten Prequels vor allem ein charismatischer Bösewicht gefehlt hat.

Natürlich ist Lucas noch immer kein guter Regisseur, manche Dialoge zum Haare raufen (Liebesszenen bei Lucas: „Ich liebe dich“ – „Aber ich liebe dich mehr!“) und manche Einfälle schlichtweg peinlich (Droiden, die alles kommentieren, dickliche Hebammenroboter mit angedeutetem Vorbau), aber niemand wird wohl bestreiten, dass die Mischung größtenteils gelungen ist. Trotzdem der Film mit dem Klischee aller Computergrafik beginnt, einem Lensflare, sind die Bilder endlich mehr als bloßes Muskelspielen, zeugen von Atmosphäre und zumindest phasenweise von visueller Ausdruckskraft: wenn Yoda und der Imperator im Kampf in den Senat auffahren und die Halle den Charakter des römischen Colosseums bekommt oder wenn Obi-Wan und Anakin über einem strömenden Lavafluss aufeinander treffen, entfalten die Motive eine archaische Kraft, die sie lange vermissen ließen. Und auch da, wo der Film ganz Film ist, im Schnitt, findet Lucas (der eigentlich Editor ist) zu guter Letzt zur Assoziationskraft der Bilder zurück: Padmes Tod bzw. die Geburt der Zwillinge und Anakins Tod bzw. seine Wiedergeburt als Vader, sind geschickt verschränkt und erzählen mehr als die Bilder einzeln sagen könnten: beide stehen am Scheideweg ihrer Existenz und können sich noch für das Leben oder den Tod entscheiden.

Ironischerweise endet die „Star Wars“-Serie genau jetzt da Lucas eine gewisse Form gefunden hat, jetzt, wo das Universum endlich wieder interessant wird. Man darf wohl gespannt sein, was Lucas als nächstes in Angriff nehmen wird, ob er es sogar schafft, sich von seinem Business-Image zu lösen und mal wieder Filmemacher wird. Der ist er mit „American Graffiti“ und „THX 1138“ einmal gewesen. Wenige Leute haben derartige Freiheiten zur Umsetzung ihrer Ideen, sei es finanziell oder technologisch. Es wäre wünschenswert, wenn er diese Freiheiten nutzt, „große“ Filme zu machen, die sich einen feuchten Kehricht um ihren Publikumserfolg scheren.

Spannendes Actionabenteuer und würdiger Abschluss der Serie


Thomas Schlömer