Herr der Ringe, Der - Die Rückkehr des Königs
(Lord of the Rings, The - The Return of the King)

USA / Neuseeland, 200min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Peter Jackson
B:Peter Jackson, Philippa Boyens, Frances Walsh
D:Elijah Wood,
Billy Boyd,
Dominic Monaghan,
Sean Astin,
Ian McKellen
L:IMDb
„Ihr zieht in den Krieg, nicht in den Sieg!”
Inhalt
Die Reise der Gefährten nähert sich ihrem Ende. Ein letztes Mal bedroht Sauron die Menschheit – sein Heer hat Minas Tirith angegriffen, die Hauptstadt von Gondor. Nur ein schwächlicher Truchsess wacht noch über das einst mächtige Königreich, das seinen König nie dringender benötigte als jetzt. Doch bringt Aragorn die Kraft auf, jene Aufgabe zu übernehmen, für die sein Schicksal ihn bestimmt hat? Während Gandalf verzweifelt versucht, die mutlosen Kämpfer von Gondor zu motivieren, sammelt Théoden die Krieger von Rohan, um am Kampf teilzunehmen. Aber obwohl sie tapfer und leidenschaftlich Widerstand leisten, haben die Streitkräfte der Menschen – unter denen sich Eowyn und Merry verbergen – dem überwältigenden Ansturm der feindlichen Legionen gegen das Königreich kaum etwas entgegenzusetzen. Jeder Sieg fordert große Opfer. Trotz der starken Verluste stellen sich die Gefährten der größten Schlacht ihres Lebens – vereint durch ein einziges Ziel: Sauron muss so lange abgelenkt werden, bis Frodo seine Mission erfüllen kann.
Kurzkommentar
Angesichts der Vorgaben Tolkiens nähert sich Jackson einer perfekten Umsetzung: Dramaturgie, Optik oder Inszenierung lassen keine Wünsche offen. "Die Rückkehr des Königs" ist ein wahrhaft erhabener Schluss.
Kritik
Diese Kritik enthält minimale Spoiler für Buchkenner, kleinere Spoiler für Nichtkenner. Es werden keine Details der Handlung oder Umsetzung verraten.

Der Charme von Film-Fortsetzungen, insbesondere Trilogien, hat in der aktuellen Kinogeschichte doch arg gelitten: Brachte die Vergangenheit noch cineastische Höhepunkte wie »Zurück in die Zukunft I-III«, »Indiana Jones I-III« oder »Star Wars IV-VI« hervor, so versagten die gegenwärtigen Hoffnungsträger epischen Monumentalkinos fast durch die Bank: Die »Star Wars«-Saga ist in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, dem dritten (bzw. sechsten) Teil fiebert eigentlich niemand wirklich entgegen. »Matrix Revolutions« wird allenfalls als Synonym für den katastrophalsten Abschluss einer Trilogie in die Filmgeschichte eingehen, und die Aussichten auf »Indiana Jones IV«, »Stirb Langsam »IV« oder »Fluch der Karibik II+III« erzeugen mitunter ein gewisses Unbehagen - George Lucas und die Wachowski-Brüder haben eindrucksvoll bewiesen, wie man einen Filmmythos durch misslungene Fortsetzungen vollends zu Grunde richten kann.

Bleibt nur ein Hoffnungsträger, ein Lichtbringer, ein Erlöser: »Herr der Ringe III: Die Rückkehr des Königs«. Der erste Teil sorgte für Begeisterung, setzte Kinogänger landauf landab in Verzückung, und kaum jemand, sofern er nicht eben Hardcore-Tolkienist oder Fantasy-Muffel war, konnte sich dem Reiz des Films entziehen. Der zweite Teil hingegen erschien Vielen als sehr ordentliche Fortsetzung, die aber keine vergleichbare Begeisterung mehr hervorrief. In der Tat hatte der Film zu kämpfen mit einigen Storylängen und einer gewissen Zerfaserung der Handlung in zu viele Subplots, wobei man die kaum Peter Jackson zum Vorwurf machen kann. Weniger gut aufgenommen wurden dagegen von vielen Tolkien-Fans die teils doch recht weitreichenden Änderungen am Original, die sich im Gegensatz zum ersten Teil nicht auf gezieltes Weglassen konzentrierten, sondern die Veränderung tragender Charaktere nach Jacksons Geschmack mit einschloss.

Insofern war auch der filmische Erfolg des dritten Teils nicht unbedingt sicher, zumal die Buchvorlage hier einige Tücken aufweist, vor allem einige recht abrupte Handlungswendungen und ein ungewohnt langer, von der Haupthandlung abgetrennter Schluß. Peter Jackson sah sich also mehreren Problemen gegenüber: Eine problematische Vorlage konsistent in einen Film zu übersetzen, dabei aber zum einen nahe genug am Original zu bleiben, zugleich aber die Länge auf ein handhabbares Maß zu stutzen - mit 3 Stunden 10 Minuten dürfte der Film sowieso einer der längsten, kommerziell erfolgreichen Filme der Filmgeschichte sein - wobei aber wiederum die Handlung spannend und erschöpfend erzählt werden musste. Und auch die verschiedenen Abteilungen für Spezialeffekte kamen wieder kräftig zum Einsatz: Neben dem (bisher) glaubwürdigsten CGI-Charakter der Filmgeschichte, Gollum, treten im dritten Teil mal eben eine gigantische Spinne, ein paar hunderttausend Mann kämpfende Truppen, Orks und Menschen, Elben und Untote, sowie zahlreiche absonderliche und abscheuliche Kreaturen auf Seiten Saurons.

Kurz gesagt: Der dritte Teil überzeugt in allen Belangen, er begeistert, bildet einen würdigen Abschluss der Trilogie. Leser des Buches freilich mag ein bisschen die große Euphorie fehlen, schließlich kannte man den Ausgang der Geschichte bereits; Jackson hält sich sehr nah an das Buch, so dass dem kundigen Kenner einige Details auffallen, die sich bemängeln ließen - doch »Die Rückkehr des Königs« ist derart nahe an der Perfektion der Dramaturgie, der Effekte, der Bildsprache, an der kompletten Realisierung eines fantastischen Epos, dass solche Kritik kleinlich erscheint.

Während des Finales hat sich Jackson zum Beispiel ein paar dieser Änderungen erlaubt, Fans des Buches werden aber auch zu schätzen wissen, dass sich Jackson (entgegen den Ankündigungen vor und nach dem ersten Teil) nach dem absoluten Höhepunkt einen recht gemütlichen Schluss gönnt - wie auch im Buch. Und was die Umsetzung der Geschichte Arwens und Aragorns angeht, so muss man schon beinahe zugeben, dass Jacksons Version besser als Tolkiens Original ist. Die Hervorhebung der Figur Arwens macht jedenfalls Sinn, und es ergibt sich ein deutlich harmonischerer Schluss als im Buch, zumindest für mein Empfinden.

Schauwerte gibt es natürlich auch im dritten Teil mehr als zahlreich: Kritiker mögen die Action inflationär nennen, wohlwollender wäre auch der Begriff Steigerung angebracht. War im ersten Teil noch der Kampf gegen einen Höhlentroll der Höhepunkt, so wimmelt es in der finalen Schlacht nur so vor bösartigen Kreaturen. Kämpften im ersten Teil noch zehn Figuren, waren es im zweiten schon eine Armee von Zehntausend. Jackson folgt diesem Spiel mit den Größenordnungen, und so stehen sich schließlich am Ende rund Hunderttausend blutrünstige, kampfeslustige und heldenhafte Krieger gegenüber. Künstlich wirkt bei alledem kaum etwas - natürlich ist jedem Zuschauer klar, dass sich nicht tatsächlich hundertausend Statisten gegenüberstanden und Gollum nicht wirklich existiert (und die Riesenspinne hoffentlich auch nicht), doch fiel es selten so leicht, all diese Kreaturen als wirklich und real zu akzeptieren - die Fantasy-Welt hilft freilich dabei.

Wie gewohnt setzt Jackson auf dynamische, schwindelerregende Kamerfahrten, genußvolle Action, optische Höhepunkte. Das ist manchmal ein wenig zu viel des Guten, aber es bringt auch Abwechslung in die ausgedehnten Massenschlachten. Wer allerdings Legolas' Surf-Einlage im zweiten Teil nichts abgewinnen konnte, wird auch im dritten Teil nicht verschont. Dieser Spieltrieb Jacksons irritiert manchmal, ist aber allemal verkraftbar, zumal seine Inszenierung eine gewisse Grandeur besitzt. Wahrscheinlich schien es Jackson auch notwendig, all die Düsternis und all das Pathos in Tolkiens Werk ein wenig leichter verträglich zu machen; das gelingt ihm recht gut.

Im Kern betrachtet ist Tolkiens Geschichte und die Moral, die sich daraus ziehen lässt, nämlich harte Kost: Auf der einen Seite steht der Sieg der Gemeinschaft, der Erfolg der Kooperation, eine Lehre, die in diesen Zeiten schon fast politischen Gehalt hat. Demgegenüber steht aber ein hemmungsloses Frönen in idealisierter Kriegslust, und die Perfidie besteht insbesondere darin, dass sich diese auf den Zuschauer überträgt - wenn das tausend Mann starke Reiterheer durch die Scharen der Bösen pflügt und die widerlichen Kreaturen niedermäht, so kommt schon aufgrund der dramaturgischen und optischen Inszenierung Begeisterung auf. Das es sich dabei um ein kaum weniger rücksichtsloses Gemetzel handelt als jenes, das zuvor noch auf Seiten der Gegner durch Story und Bildsprache verdammt wurde, wird bewusst verschwiegen. Letztlich funktionieren alle Geschichten von Gut und Böse nach diesem Schema, und doch entsteht ein gewisses Unbehangen. Oft wurde Tolkien vorgeworfen, die Rolle der Frauen zu vernachlässigen - interessanterweise unternahm Jackson hier nicht den geringsten Modernisierungsversuch, sondern verstärkte diese Sichtweise noch: Arwen findet Erfüllung in der tödlichen Hingabe an einen Mann, Eowyn definiert Erfolg über größtmögliche Maskulinität - von Emanzipation keine Spur. Dies dem Film kritisch vorzuwerfen ist reichlich vergebene Liebesmüh, denn die Geschichte ist ein Historismus, Tolkiens Gedankenwelt zur Genüge diskutiert, und die Wirkung unbestritten. Es erstaunt aber doch, welche Begeisterung eine Geschichte hervorrufen kann, die eigentlich nur auf Stereotypen aufbaut. Gut und Böse, das Bündnis, das Verderben, das schleichende Böse, die Messianisierung Frodos, die unverbrüchliche Treue Sams, die penetrante Weisheit Gandalfs, der nie enden wollende Heroismus Aragorns, all dies sind letztlich die Klischees, auf denen die Geschichte aufbaut.

Wahrscheinlich aber liegt die Magie von Tolkiens Erzählung darin, dass er alle diese Klischees in eine derart komplexe und glaubwürdige Welt eingebunden hat, dass sie quasi eine Aufwertung erfahren: Vom Stereotyp zum Archetyp. Grundlegendste menschliche Empfindungen und Verhaltensweise, mehr symbolisch als wirklich glaubwürdig repräsentiert in den einzelnen Figuren. Das große Verdienst Jacksons ist es, Tolkiens Welt tatsächlich zu erschaffen; nach dem Film ist man sich eigentlich sicher, dass sich alles genau so zugetragen hat, und Mittelerde tatsächlich irgendwo genau so existiert. Das markiert den Unterschied zu anderen Filmen des Genres: Während viele Verfilmungen fantastischer Geschichten dem Zuschauer quasi augenzwinkernd abverlangen, die Styroporberge, Plastikschwerter und angeklebten Bärte einfach um des Films willen als real zu akzeptieren, meint Jackson seinen kompletten Film ernst. Der Zuschauer muss sich auf keine Kompromisse in Sachen Glaubwürdigkeit einlassen.

Die Integration in die Trilogie gelingt nahtlos, der Abschluss ist würdig. Anders als bei manch anderer Fortsetzung werden alle Fäden wieder aufgegriffen, zahlreiche neue Handlungsaspekte kommen hinzu. Allerdings scheint es fraglich, ob Nicht-Buchkenner mit der teils rasanten Handlungsentwicklung mithalten können - so manche Geschehnisse, die Jackson originalgetreu umgesetzt hat, erscheinen auf der Leinwand etwas unvermittelt. Sehr gut gelingt Jackson jedenfalls die Wiederaufnahme der Geschichte - mit sehr dezent und geschickt eingesetzten Rückblenden frischt er die Erinnerung all jener auf, die das Buch nicht dreimal pro Jahr lesen.

In einem Kommentar vor Start des ersten Films hatte ich die Frage aufgeworfen, ob es Jackson wohl gelingen könnte, einerseits die Kohärenz durch die drei Filme hindurch zu wahren, andererseits die Entwicklungen glaubwürdig darzustellen: Vom Waldläufer zum König, vom naiven Hobbit zum Hoffnungsträger der freien Völker. Von der beschaulichen Welt des Auenlandes zur schicksalshaften Schlacht Hunderttausender, von der unbeschwerten Atmosphäre des Beginns zur düsteren Weltuntergangsstimmung am Schluß. Denn anders als bei manch anderen Trilogien ist dies letztlich nur eine große Geschichte - kein Teil macht ohne den anderen wirklich Sinn. Und in der Tat ist Jackson und seinem Team diese erstaunliche Leistung gelungen. Die bereits feststehende Extended-DVD-Version des dritten Teils komplettiert dann einen Film, der wahrlich einen erhabenen Rekord feiern kann: Elf Stunden Film ohne eine einzige langweilige Minute.

Mehr als würdiger Abschluß der Trilogie


Wolfgang Huang
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„Die Rückkehr des Königs“ kann niemanden wirklich enttäuschen. Jackson und sein Team krönen ihre biblische Leistung mit einem barocken Effektegedonner, das heilig und erhaben zur Ehrfurcht zwingt. Erwartungsgemäß wird jeder Superlativ ausgehebelt und im Gegensatz zur „Matrix“ bleibt der Weltentwurf in sich schlüssig, das Grundmuster erfrischend vor...