Bulletproof Monk - Der Kugelsichere Mönch
(Bulletproof Monk)

USA 2002, 104min
R:Paul Hunter
B:Ethan Reiff
D:Yun-Fat Chow,
Seann William Scott,
Jame King,
Karel Roden
L:IMDb
„Ten fingers, ten toes: twenty reasons to die”
Inhalt
Seit 60 Jahren beschützt ein namenloser Mönch aus Tibet eine alte, geheimnisvolle Schriftrolle, die den Schlüssel zu unbegrenzter Macht enthält. Nun ist die Zeit gekommen, das mysteriöse Schriftstück einem neuen Wächter zu übergeben. Einer alten Prophezeiung folgend, führt ihn die Suche nach dem geeigneten Nachfolger nach Amerika. Auch wenn der Mönch dem Orakel äüßerst misstrauisch gegenübersteht, hat es den Anschein, dass es sich bei dem kleinen Straßendieb Kar um den Auserwählten handelt. Die Sache hat allerdings einen Haken: Kar interessiert sich nur für Eines - sich selbst! Als der Mönch versucht, den unwilligen Kar in die Geheimnisse eines Wächters einzuweihen, tauchen seine alten Widersacher auf und bringen das ungleiche Paar in tödliche Gefahr.
Kurzkommentar
Wenn überhaupt, dann sollte man sich für das Filmdebüt des bisherigen Musikvideoregisseurs Paul Hunter nur bar jeder Erwartung entscheiden. Dann bietet „Der kugelsichere Mönch“ halbwegs kurzweiligen Martial-Arts-Mumpitz mit an Parodie grenzenden Klischeezutaten und einem sogar verbal schlagkräftigen Duo. Doch letztlich demonstriert dieser billige Kulturclash nur, dass der charismatische Yun-Fat Chow jede erstbeste Chance ergreift, um in Hollywood endlich so etwas wie Karriere zu machen.
Kritik
Weise und weltabgewandt, vergeistigt und entsinnlicht und damit auch furchtbar lebensverneinend - das sind Etiketten, die für die Figur des abendländischen Mönchs wohl am ehesten präsent sind. Anders beim exotischen Pendant aus dem fernen Osten, am besten aus einem tibetischen Kloster entsprungen. Hier ist die Besetzung spirituell und auch sonst erleuchtet, aber vor allem - und das bestimmt die Wahrnehmung - körperlich elastisch, locker, Feind jeden physikalischen Gesetzes und dank Kung-Fu sowieso mächtig cool, ja sogar fähig, für Pepsi zu werben. Dass sich aus dieser Hampelei im Interesse westlicher Popkultur niemals ein tieferer Sinn destillieren lässt, ist klar. "Der kugelsichere Mönch" ist dann nur die irrwitzige, aber doch folgerichtige Zuspitzung dessen, was man von einem frisierten Kampfkonfuzius eh erwartet hätte, nämlich alles.

Um das einigermaßen "authentisch" über die Bühne zu bringen, muss sich mit Chow-Yun Fat natürlich ein chinesisches "Original" beweisen. Als Hauptakteur in diversen John Woo-Orgien erarbeitete sich Fat in Asien und anderswo einen halblegendären Kultstatus, der Plan einer Fortsetzung des Ruhms im lockenden Westen will dagegen bisher nicht glücken. Zwar konnte Fat mit seinem ätherischen Charisma in "Tiger & Dragon" bestechen, hatte aber vorher mit dem peinlichen "Replacement Killers" einiges an Kredit verspielt. Bevor er erneut für "Actiongott" Woo agieren darf, scheint sich Fat in Hollywood mit allem über Wasser halten zu müssen, was an Angeboten anfällt: in diesem Fall die Fast-Food-Verfilmung eines Comics (!), dessen Titel schon verdächtig nach Parodie riecht.

Entsprechend übel skelletiert liest sich der aus Klischees zusammengewürfelte Plot samt seiner hemmungslos recycleten Elemente: ein Mönch wachst selbstverständlich erleuchtet selbstlos über eine Schriftrolle, die, fällt sie in die falschen Hände, die Unterjochung der gesamten Welt herbeiführen würde. Nebenbei gewährt das universalkulturelle Sehnsuchtsobjekt noch ewiges Leben und Jugend, ist also sozusagen der tibetische Gral. Und wo der ist, können die ewigen Modellaspiranten auf Weltmacht, die Nazis eben, nicht weit sein. Gegen wen haben sie in der Filmgeschichte noch nicht kämpfen müssen - als requisitenhafter Don Quixote erregen sie fast schon Mitleid. Diesmal wurde der Tscheche Karel Roden in die Stechhosenuniform verfrachtet. Seine psychotische Sache erledigt er mit angemessener Lächerlichkeit.

Dass Chow-Yun Fat als zeitgereistem Mönch dann ausgerechnet "American Pie"-Partyvisage Sean William Scott als Buddy-Partner an die Seite gestellt wird, klingt erstmal inkompatibel, erweist sich aber als tatsächlich schlagkräftig. Einige der phrasenhaften Wortgefechte der sich natürlich erst widerstrebenden Mitstreiter haben durchaus Humor, andere, wie die unverzichtbare Schlagwort-Philosophie, verursachen Magenbeschwerden. Immerhin inszeniert Regisseur Paul Hunter in seinem erst zweiten Film das Miteinander von Fat und Scott mit sympathisch ironischen, in Richtung Trash verweisenden Unterton. Beide machen sich akzeptabel. Und die junge Jame King aus "Pearl Harbor" gibt das hübsche Dekor. Bei der Erwartung eines billigen Videotheksspektakels wird man hier freilich nicht enttäuscht.

Denkt man anders, wird "Der kugelsichere Mönch" weniger erleuchten, denn angesichts rudimentärster Dramaturgie, typischer Wendepunkte und einem absehbarem Ausgang reicht es eigentlich für nichts. Das eigentliche Klassen- und Genreziel wird auch verfehlt, denn die Martial-Arts-Sequenzen sind trotz obligatorischer Drahtseilakte belangloser Durchschnitt, ja mit gerade zu Beginn computergenerierten Hintergründen sogar beschämend. Als Kontrastmittel sei "Hero" empfohlen. Das Heldenteam klopft also einige Sprüche und Pappgestalten, mehr nicht. Damit lehrt dieser verzichtbare, nur leidlich unterhaltende Comicschnickschnack zweierlei: Mönche bleiben besser im Kloster und verrottete Filmnazis bei den Archivleichen.

Notdürftig witzige Martial-Arts-Action mit Trasheinschlag


Flemming Schock