Matrix - Reloaded
(Matrix Reloaded, The)

USA, 138min
R:Andy Wachowski, Larry Wachowski
B:Andy Wachowski, Larry Wachowski
D:Keanu Reeves,
Laurence Fishburne,
Carrie-Anne Moss,
Hugo Weaving,
Matt McColm
L:IMDb
„Ich hatte einmal einen Traum. Dieser Traum wurde nun zerstört.”
Inhalt
Nur noch wenige Stunden bleiben, bis die letzte Zufluchtsstätte der Menschen von 250.000 Wächtern angegriffen wird, die laut Programmierung alles menschliche Leben vernichten sollen. Doch die Bewohner von Zion haben Hoffnung geschöpft: Morpheus (Laurence Fishburne) überzeugt sie, dass der Erwählte die Prophezeiung des Orakels erfüllen und den Krieg gegen die Maschinen beenden wird. Die Menschen glauben an Neo (Keanu Reeves), der von beunruhigenden Visionen heimgesucht wird, während er zugleich versucht, Zion zu retten.
Kurzkommentar
Und es kommt die Zeit, in der wir alle keine Spezialeffekte mehr sehen wollen. „Matrix Reloaded“ weist in diese Richtung, weil er erwartungsgemäß das bisher technisch Machbare weit hinter sich lässt. Effekt um Effekt hagelt auf die Sinne nieder. Das begeistert, wirkt stellenweise aber zwanghaft großspurig und die Energie steckt nicht mehr an. Sicher, die Wachowskis konnten kein zweites Mal das Rad neu erfinden und „Matrix Reloaded“ lohnt den Besuch, aber durch die vielleicht unvermeidbare inhaltliche Ausdifferenzierung kippt der Plot z.T. ins Bodenlose der Virtualität
Kritik
Die Messe ist eröffnet, die Exegese kann beginnen. Aber es muss ja nicht jeder mitmachen, alles ist möglich. Die originale „Matrix“ bot für jeden etwas, war das Funktionsprinzip doch so einfach wie genial, existential. Darüber, über das, was in dem Actionsakrament entdecken kann, wenn man nur will, wurden bereits ganze gelehrte Bücherberge verfaßt. Fassen wir uns daher kurz, denn vermutlich ist die Wahrheit hier einmal ausnahmsweise weniger kompliziert. Die ominösen Demiurgen der ganzen Ersatzreligion, die mysteriösen und imagegemäß halbanonymen Wachowski-Brüder, fingen mit der „Matrix“ so etwas wie „Zeitgeist“ ein, im zweifachen Sinne: ästhetisch wie inhaltlich. Für letzteres sog das Drehbuch alle splitterhaften Versatzstücke alter Instanzen auf, die der heutigen „säkular-gottlosen“ Gegenwart in kümmerlichen Resten noch bleiben. Diese meint mythisch und religiös aufgeladene Welten, durchsetzt von festem Glauben.

Da gute Postmodernisten aber keine Paradoxien scheuen, bedient man sich weiter, vermengte diesen synkretistischen Nährgrund, bestehend aus in fast-food-gerechten Häppchen servierten mythischen Referenzen (griechische Götternamen, Prophezeiungsmotive etc.), mit ewigen philosophischen Grundsatzfragen, die auch die des Nichtphilosophen sind: wer bin ich, wohin gehe ich, wieso, weshalb, ist die Welt wirklich wirklich? Die elende Zwickmühle, man kennt sie. Die eklektische Filmgeburt appellierte dann gleichzeitig an das generelle Glaubensvermögen des Menschen wie an den Ungehorsam gegenüber jeder Art des Glaubens, denn was ist schon die wirkliche Natur der Dinge. Diese mit allerlei Tiefen und Untiefen versehenen Kulturcollage wollte natürlich keine Antworten, aber die Fragen, die stellte sie im coolen avantgardistischen Gewand. Über die Heckwelle von Look und Gewaltästhetik der „Matrix“ ist alles gesagt.

Nun ist Keanu Reeves also als chicer Modemessias zurück. Zeit wurde es auch gerade für ihn und den Rest des originalen „Matrix“-Ensembles. Allein Hugo Weaving wirkte in der vierjährigen Zwischenzeit in einem vielleicht nicht als „unbedeutend“ zu qualifizierenden Film mit („Herr der Ringe“). Reeves, Carrie Ann-Moss und auch Lawrence Fishburne hingegen wurden so gut wie nicht wahrgenommen. Am Rande fragt sich also, wie es um deren Karrieren nach „Matrix Revolutions“ stehen wird. Ein Ausweis mimischer Subtilität bringt die unterkühlte „Matrix“ nämlich erneut nicht. Und das Kernproblem hat Wolfgang schon benannt: die Innovation ist dahin, weil die im ersten Teil noch bestechende Ideensynthese um die Annahme einer Welt als Computerprogramm jetzt bis ins Aberwitzige zugespitzt wird und ein weißbärtiger Spinner schließlich der heilige Vater selbst oder bloß ordinärer Hacker ist.

Da, wo im ersten Teil die Verhältnisse noch halbwegs kohärent sind, herrscht zunehmend programmierte Konfusion mit verstärktem Verdacht auf Systemabsturz. So beginnt in der logikfreien Vernetzung Agent Smith als ausbreitungsfreudiger Virusgegner seine undurchsichtigen Spielchen zu treiben und scheint von jeder Bezugsrealität abgekoppelt. Immerhin kopiert er sich fleißig und setzt damit einen Akzent wo er hingehört: nach zäh-hilfloser, mies dialogisierter Eröffnung in Zion lädt „Reloaded“ mit Verspätung nach, dann aber auch richtig – und setzt programmgemäße Maßstäbe. Während sich von der Geschichte trotz des epischen Gebläses das Interesse mehr und mehr abwendet, kann die Action, das, worum es eigentlich geht, durchaus den Erwartungen standhalten. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, denn der kühle Kult der Bilder von „Matrix Reloaded“ ist einerseits ein Fest für die Sinne, andererseits ein „Upgrade“ mit dem Charme eines Computerspiels.

Zwischen gewohnt emotionsschwachen Momenten darf Reeves in stylisch-steifer Amtskutte enorm austeilen. Als Oberpriester der vollendeten Gewaltoperette verdrischt er bzw. die Computergrafiker jeden und alles, Smith gleich hundertfach. Auch weitere Sequenzen wollen die Geschichte der Tricktechnik voranbringen in neue Dimensionen. Das funktioniert, streift aber letztlich meist berührungslos am Zuschauer vorbei, weil der trotz aller Superlative auf etwas Unbestimmtes wartet – wohl auf das, was die Fortsetzung einfach nicht liefern konnte. Die Synthetik dieser Bildermesse ist nicht mehr aufregend, aber jenseits dramaturgischer Schwächen, etlicher Pappfiguren und sterilen Gefühlsregungen möchte man doch mehr, immer mehr Effekte. Dieses Bedürfnis befriedigt „Matrix Reloaded“ dann auch satt und läutet eine neue Ära der Bildmanipulation ein. Die gewisse Aura des Originals ist allerdings absorbiert.

Höher, schneller, weiter: vom Kultfilm zum Kult des Effekts


Flemming Schock
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"Matrix - Reloaded" ist die Art von Science-Fiction Film, die in dreißig Jahren ob seiner eindeutig technischen Orientierung immens gealtert wirkt und belächelt wird. Die Wachowskis verlieren eindeutig die Balance zwischen Stil und Inhalt, vermögen es noch nicht mal, sie wenigstens so zu vermischen, dass sie ein kohärentes Ganzes bilden. Das, die D...