Bruce Allmächtig
(Bruce Almighty)

USA, 94min
R:Tom Shadyac
B:Steve Koren, Mark O'Keefe, Steve Oedekerk
D:Jim Carrey,
Morgan Freeman,
Jennifer Aniston,
Philip Baker Hall
L:IMDb
„Komm, zerschmettere mich!”
Inhalt
Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen plötzlich Gott (Morgan Freeman) höchstpersönlich gegenübersteht und Ihnen anbietet, für eine Woche seinen Job zu übernehmen? Bruce Nolan (Jim Carrey) ist Fernsehreporter und mit seinem Leben ständig unzufrieden - und das, obwohl er nicht nur große Popularität genießt, sondern mit Grace (Jennifer Aniston) auch noch eine wunderschöne Freundin hat, die ihn über alles liebt. Am Ende eines völlig verkorksten Tages lässt Bruce seiner Wut so richtig freien Lauf und gibt Gott in einer Schimpfkanonade die Schuld an allem. Gott hört zu. Und antwortet: Wenn Bruce meint, er könne den Job besser machen, dann soll er es ruhig mal probieren. Und so wird Bruce allmächtig. Für eine Woche.
Kurzkommentar
Jim Carreys bisher erfolgreichster ist keine göttliche Komödie. „Bruce Allmächtig“ ist ein die erwartungsgemäße Carrey-Schaunummer mit interessantem Ansatz und schwachbrüstiger Umsetzung. Regisseur Tom Shadyac schafft allein eine dramaturgisch schwache Slapstickrevue mit weniger zugkräftiger, nie genialer Situationskomik. Was über Taschenspielertricks hinaus geht, interessiert nicht. Jennifer Aniston und Morgen Freeman sind nur Randdekor, im Mittelpunkt macht Carrey in gewohnt gesegneter Manier seine comicartigen Mätzchen. Das unterhält und macht aus „Bruce Allmächtig“ noch die notwendige sympathische Komödie, aber der Absturz in ein billiges Sendungsbewusstsein schmeckt kaum.
Kritik
Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Aber erst misslicher Mensch sein und dann Mensch zu werden, der den Weg zu sich selbst und den eigenen Fähigkeiten durch Gott findet, das ist die eigentlich harte Nuss. Das klingt ausgelatscht und fast schon nach theologisch-anachronistischer Sendungskeule, ist aber auch die Botschaft von „Bruce Allmächtig“, des bereits dritten Teamworks von Regisseur Tom Shadyac und Jim Carrey nach „Der Dummschwätzer“ und „Ace Ventura“. Bei den Amerikanern ging das glatt gebügelte Slapstickkonzept mehr als auf und strich einen der erfolgreichsten Filmstarts überhaupt ein. Die Frage ist nun, wieso.

Die Antwort könnte in Neugier oder im akuten Gemeinschaftsverlangen nach der Visagenakrobatik Jim Carreys liegen. Hinsichtlich letzterem scheint, dass bei ihm im Grunde nie klar sein wird, ob sich weiteres Potential hinter seiner Mördermimik versteckt oder überhaupt verstecken muss. Womöglich sollte man Carrey bei all seinen zappelnden Bemühungen als irren Vogel auch endlich ernst nehmen. Hyperagil und nervend ist er allemal und damit eine recht spektakuläre Nummer, wohl ein wahrhaftiger Komiker. Hingucken lohnt bei jedem neuen filmischen Verrenkungsspiel, das jeweils mit rigoroser Konsequenz auf den Starmittelpunkt zugeschnitten ist.

Und so wird schon in den ersten Szenen klar, dass „Bruce Allmächtig“ ohne Carrey niemals möglich gewesen wäre. Regisseur Shadyac entwirft eine unvermittelte Eröffnung über die Durchschnittsexistenz eines Kleinstadtreporters, der ehrgeizig von höheren Weihen träumt, sich allerdings mit bizarren Lokalreportagen zum Gespött macht, dafür aber eine Frau an seiner Seite hat, deren Liebe ihm sein Dasein über jede 08/15-Empfindung weit hinausheben sollte. Die entwickelten Frustrationen über das Stocken der Karrierepläne von Bruce sind hektisch gebrochen, ja karikierend, die Konflikte mit nur flüchtig skizzierten Nebenprotagonisten im Grunde ziemlich lasch.

Aber das und weitere Handlungskatalysatoren, wie z.B. jene Szene, in der Bruce während einer Livesendung erfährt, dass ein öliger Kollege ihm den erträumten Posten weggeschnappt hat, sind mit dem gesamten Plot eh nur Impulsgeber für Carreys wahnwitzige Nummernspiele. Nichts anderes hat das konditionierte Publikum schließlich erwartet und nichts anderes bekommt es serviert. Die schnell abgewickelte Szenenfolge führt geradlinig zu einem unwiderstehlich kontrastierten Morgan Freeman in der abgebrühten Gottesrolle und damit – darauf warten wir – zur Erhebung des hybriden Kleinstadtpopels zum zeitweiligen Ersatzvater mit der Kraft der Allmacht.

Auf Blasphemie läuft das nicht hinaus, sondern bloß auf augenzwinkernden, extensiv lustvollen Missbrauch dieser herben Potenzen. „Bruce Allmächtig“ wird zur etwas unmotivierten Slapstickrevue und Jim Carrey ist dafür ohne Frage die Traumbesetzung. In einer der wenigen wirklichen bizarren Höhepunkte des Streifens teilt Bruce mit biblischem Pathos zwar nicht das Meer, aber wohl die Suppe im schäbigen Autostop. Auch weniger pointengesegnete Kalauer kann Carrey durch maß- und atemloses Körperspiel einigermaßen ausbügeln. Da diese seine schauspielerische Präsenz aber einer rein physische ist, wirken gerade Szenen mit einem nötigen Anflug von Ernsthaftigkeit andererseits nervtötend.

Zwar nimmt das dem Streifen nicht seine gelöste Sympathie, wirklich große Lacher sind aber rar gesäht. Schlussendlich erstickt das Drehbuch nach einer farblosen Handlungsführung unter einer Ladung christlich getönten Moralkitsches, wie sie saftiger und schwülstiger nicht hätte kommen können und selbst schon wieder Anflüge einer Karikatur aufweist: Weil der Mensch nicht für Allmacht geschaffen und der freie, sprich der Willen der Frau und damit ihre Liebe hier selbst mittels göttlicher Kraft nicht zu erzwingen ist, hilft nur ein beherztes „Erkenne dich selbst“ in deinen Schwächen und Talenten, ein Einrichten im Glauben, ein Glück im sich bescheidenen Rahmen.

Daran ist aber nun nur insofern etwas auszusetzen, weil „Bruce Allmächtig“ eigentlich gewaltige Themenkreise wie Verantwortung, Macht und Ohnmacht Gottes und des Einzelnen zugunsten von kurzweiligen Albernheiten verspielt und vor allem, weil die moralische und bewusstseinsmäßige Kehrtwende zur Realisierung des persönlichen Glückes bei der Hauptfigur göttliche Intervention und all den Zirkus gar nicht plausibel macht – oder höchstens dadurch, dass Bruce als karrieregeiler Egomane erst einen Tritt in den Allerwertesten vom Allermächtigsten braucht, um den Segen seines angeblichen 08/15-Lebens anzunehmen. Gleiches gilt für uns: akzeptieren wir den Film als ein gutes Carrey-Vehikel.

Liebenswert nervende Carrey-Klamotte mit voller Sendungsdröhnung


Flemming Schock