Irgendwann in Mexiko
(Once Upon a Time in Mexico)

USA, 102min
R:Robert Rodriguez
B:Robert Rodriguez
D:Antonio Banderas,
Salma Hayek,
Johnny Depp,
Mickey Rourke,
Willem Dafoe
L:IMDb
„Jetzt sehe ich ein, es muss noch mehr Blut fließen”
Inhalt
Mexiko steht am Rande des Chaos: Der durchtriebene Drogenbaron Barillo will den mexikanischen Präsidenten stürzen, während der korrupte CIA-Agent Sands noch ein Hühnchen mit seinem schlimmsten Feind, General Marquez, zu rupfen hat, dessen Unterstützung wiederum Barillo dringend braucht, um seinen Coup gegen das Staatsoberhaupt durchzusetzen. Sands stellt den Mariachi an, um den General zu töten - und setzt damit eine Kette blutiger Ereignisse in Bewegung, in der die Waffen locker sitzen und jeder jeden bekämpft.
Kurzkommentar
Titel und Schauspieler klangen viel versprechend, aber im dritten Teil von Robert Rodriguez´ „Desperado“-Saga sind nicht nur die Gitarren übel verstimmt. Statt den gewohnt ultrahohen Gewaltfaktor mit Slapstik und einem simpel gestrickten Plot auszubalancieren, sorgt „Irgendwann in Mexiko“ mit einem spektakulär verworrenen Handlungsgerüst, einem zweitklassigen Produktionsdesign und einfallslosen, fahrlässig geschnittenen Schießereien für ungläubiges Kopfschütteln. Robert Rodriguez wollte alles selbst machen. Er hat ein witzloses B-Movie gedreht, das allenfalls Fans beglücken dürfte.
Kritik
Irgendwann, ja, aber es war ja doch nur eine Frage der Zeit. Um Fortsetzungen ist man nie verlegen, die „Spy Kids“ haben sich totgelaufen und neue Ideen sind rar. Die kolportierte Geschichte dürfte bekannt sein: mit der für angeblich nur siebentausend Dollar gedrehten Pistolensaga „El Marchachi“ machte Robert Rodriguez mächtig Furore und katapultierte sich direkt nach Hollywood, um dort mit dem zigfachen einer Independentproduktion im Jahre 1995 „Desperado“, die nichtamtliche Fortsetzung zu drehen. Die war mit Antonio Banderas populär und charismatisch besetzt und ein spaßiger Spagat zwischen Slapstick, klischeemexikanischem Flair und jeder Menge hemmungsloser Schießwut. Der Plot war dafür reines Alibi, natürlich ging es um Rache, und das gradlinig. Ingesamt war das männlich, mit Salma Hayek dekoriert, exotisch und dann kultverdächtig. Und da man mit Stempeln schnell bei der Hand ist, firmiert Rodriguez seitdem als Kultregisseur.

Dass das reiner Etikettenschwindel sein kann, führt „Irgendwann in Mexiko“ ziemlich dramatisch vor. Selbst wer die Vorgänger nicht kennt, wird von diesem konfusen Lärm, planlos und dilettantisch in jeder Richtung, ziemlich irritiert sein und sich zunehmender Lauflänge kopfschüttelnd fragen, was um Himmels Willen die Verantwortlichen geritten hat. Dabei hätte aus diesem finalen Teil einer arg konstruierten Trilogie durchaus etwas werden können: „Desperado“ hatte selbstironischen B-Movie-Charme, war ein ehrlich sinnfreies Bleispektakel mit Stil. Und nun die Voraussetzungen für den dritten Teil: ein Budget von dreißig Millionen, das, gemessen an den sonstigen Relationen Hollywoods, zwar bescheiden, für den effizient drehend Rodriguez aber viel ist. Hinzu kommt die große Geste des Titels, die sich an Sergio Leones „Once Upon A Time in The West“ anlehnt, einige Genrereminiszenzen verspricht und dann eine Besetzungsliste, die wirklich aufhorchen lässt.

Das Ergebnis ist aber nur mies geschnittenes Randalekino mit dem fraglos abstrusesten Plot der letzten Zeit. Was hier als Handlung verkauft wird, ist bloß verworrener Kitt zwischen den einzelnen Kugelhageln. Das ist vielleicht natürlich, aber bizarr auf außerfilmischer Ebene: Namen wie Johnny Depp, Willem Dafoe oder eben auch Banderas müssen Rodriguez vertraut haben, dass er das Drehbuch sowieso nicht zu ernst nimmt und es lieber stilgerecht krachen lässt. Dumm nur, dass dieser dass Script irgendwann und damit ein unzugängliches Dickicht sich selbst behindernder Intrigen improvisierte und es, allen Regeln er Dramaturgie widersprechend, komplett durchzieht. Irgendwann verliert in diesem billigen Flickwerk aus Konspirationen und erstickten Handlungsfäden selbst der Hartnäckigste den Durchstieg, dürfte aber vorher schon das Interesse verloren haben und enttäuscht über das Wesentliche sein: die Action.

Die wird durch das nervraubende Plotkonstrukt nur gehemmt, kann den Film jedoch nicht das rettende Profil verleihen und unterstreicht den Eindruck, es hier mit einer völlig beliebigen Produktion zu tun zu haben. Grobschlächtig, mit möglichst lauter, auch von Rodriguez selbst verursachter Musik, wird die Schützenfestszenerie zusammenkettet. Zwar ballert sich Banderas erwartungsgemäß durch unermessliche Mengen von Schießbudenfiguren, Johnny Depp wechselt hat als Kostümwechsler alles unter Kontrolle und auch Schmalzbarde Enrique Iglesias bekommt seine Chance mit dem flammenwerfenden Gitarrenkoffer. Aber die Routine der Gewalt ist reine Requisitenshow, niemals, wenn man so will, ästhetisch, sondern das reine Gegenteil und von John Woo, an den sie immer noch erinnern soll, meilenweit entfernt. Alles wird grob niedergemäht und damit auch der Spaß, denn leider ist „Irgendwann in Mexiko“ weder durch seinen derben Gewaltfaktor unterhaltsam noch durch das unmotivierte Klopfen von platten Sprüchen.

Das ist nur zuweilen, wenn z.B. der niedrige Produktionsstandard in peinlichen Pixelexplosionen auf die Spitze getrieben wird, nur unfreiwillig komisch, insgesamt aber nur witz- und stillos. Die nötige Selbstironie und Slapstick gehen dem dritten Mariachi völlig ab. Was bleibt, ist nicht als eine uninteressante Gewaltorgie, deren Ähnlichkeiten mit Western sich im Titel erschöpfen. Natürlich wurde dieser unerfreuliche Abguss nur des Geldes zustande gebracht. Die Rechnung ging in den USA dann auch soweit auf, dass „Irgendwann in Mexiko“ schon Tage nach seinem Start die Produktionskosten wieder eingebracht hatte. Dass deswegen die bleihaltigen Gitarrenkoffer irgendwann noch einmal zum blutigen Einsatz kommen, ist nicht auszuschließen, glücklicherweise aber unwahrscheinlich.

Stillose Fastfoodballerei mit unsäglicher Dramaturgie


Flemming Schock