American Pie - Jetzt wird geheiratet
(American Wedding)

USA, 102min
R:Jesse Dylan
B:Adam Herz
D:Jason Biggs,
Seann William Scott,
Alyson Hannigan,
January Jones,
Eddie Kaye Thomas
L:IMDb
„Love isn't just a feeling! It's shaving your balls!”
Inhalt
Jim (Jason Biggs) will seine große (und erste) Liebe Michelle (Alyson Hannigan) zur Frau machen. Ein großer und, wie manche seiner Freunde finden, voreiliger Schritt, denn schließlich haben sich die meisten von ihnen noch lange nicht vom wilden Partyleben verabschiedet. Aber wenn schon, dann soll es wenigstens zum unvergesslichen Erlebnis werden. Stifler (Seann William Scott) bringt Jim das Tanzen bei und darf dafür den Junggesellenabend organisieren. Jims Dad (Eugene Levy) spart nicht mit guten Ratschlägen und schießt dabei wie immer übers Ziel hinaus. Und damit nicht genug, wird Michelles umwerfende kleine Schwester Cadence (January Jones) ausgerechnet von Finch (Eddie Kaye Thomas) und Stifler gleichzeitig belagert, wobei sie diesmal die Rollen tauschen.
Kurzkommentar
Auch wenn der Apfelkuchen eindeutig zu lange im Ofen gelegen hat, überrascht der von Jesse Dylan uninspiriert inszenierte, dritte Aufguss der Reihe durch seine naive Sympathie, die überzogenen Charaktere und die nach wie vor charismatischen Darsteller. Selbstverständlich dürften die meisten Zuschauer dem Genre der Teenkomödien längst überdrüssig geworden sein, aber "American Wedding" stellt einen "würdigen", leicht melancholischen Abschluss der Trilogie dar.
Kritik
Ein Erfolg und du bist im Geschäft. So kann es gehen in Hollywood. Adam Herz, Drehbuchautor des immens erfolg- und einflussreichen „American Pie“, ist das 1999 gelungen. Seitdem dreht sich sein Leben nur um Jim Levinstein, Michelle Flaherty, Paul Finch, Steve Stifler und Konsorten, denn bis auf einen einsamen Credit für die TV-Serie „Go Fish“ hat Herz in den letzten paar Jahren die meiste Arbeitszeit in „American Pie“ und seine zwei Fortsetzungen gesteckt. Eine derartige Fixierung hinterlässt einen reichlich langweiligen wie nervtötenden Eindruck, kann aber auch, wie im Falle von Herz, dazu führen, unheimlichen Spaß an der Weiterentwicklung seiner etablierten Figuren zu haben. Denn Herz‘ Charaktere sind mittlerweile so beliebt, so bekannt, man muss fast sagen so sehr im amerikanischen „Kulturgut“ verankert, dass sie schon über ihre Filmgrenzen hinaus gewachsen sind. Während sich etwa Jim Levinstein-Darsteller Jason Biggs in Kevin Smiths „Jay and Silent Bob strike back“ mit der Feststellung „Hey, you’re the guy who fucked the pie“ konfrontiert sieht, haftet Seann William Scott wohl für längere Zeit das Image des dümmlich-perversen Stiflers an (was aber auch nicht zuletzt an seinen ähnlichen Rollen in „Road Trip“, „Ey, Mann, wo is‘ mein Auto??“ und „Evolution“ liegt).

Der immense Erfolg, der 1999 nicht nur „American Pie“, sondern auch etlichen Klonen Geld in die Kassen gespült hat, ließ damals schon befürchten, dass hier nicht nur ein neues Franchise geboren war, sondern gleich ein ganzes Subgenre. Diese Befürchtung hatte sich spätestens dann bestätigt als auch deutsche Zoten-Komödien plötzlich Konjunktur hatten und das deutsche Kino sich mit Peinlichkeiten wie „Mädchen, Mädchen“ und „Harte Jungs“ herumschlagen musste, deren Existenzberechtigung einzig und allein der Erfolg gewesen ist. Auch von diesen Ablegern gab es Fortsetzungen, von denen eine, „Knallharte Jungs“, dem Urvater „American Pie“ in manchen Gags (Sex mit der Oma) mittlerweile sogar zuvorgekommen ist. Endlich ist das deutsche Kino dem amerikanischen mal voraus.

Die gigantische Geldmaschinerie „Teenkomödie“ hat seinen Zenit aber bereits überschritten. Der Erfolg ist längst nicht mehr so immens wie noch 1999, der nun dritte „American Pie“ nur noch halb so erfolgreich wie sein Vorgänger. Umso erfreulicher, dass auch Adam Herz dieser Einsicht nachkommt und den vorläufigen Abschluss der Pie-Trilogie mit leicht melancholischer Grundstimmung versieht. Herz weiß, dass nicht nur seine Darsteller, sondern auch seine Figuren ihre Jugend eigentlich schon hinter sich gebracht haben und wählt folgerichtig den ersten Schritt in Richtung „endgültiger“ Adoleszenz: Hochzeit, Heirat, Familie, Glücklichsein. Über die Teile hinweg hat er sie somit von der High-School über das College bis hin zur Familiengründung begleitet und das ist beinahe niedlich anzuschauen. Denn was in den prüden Vorgängern schon immer vorgeherrscht hat, wird diesmal expliziter: unter all den pubertären Zoten und Peinlichkeiten, hinter Sado Maso, Pimmeln, Titten und Kotkonsum stecken doch immer noch uramerikanische Werte: Familie, Zusammenhalt, Freundschaft, Liebe.

Dieses feige und kindisch zu verdecken (wie besonders der zweiten Teil getan hat) war immer die größte Schwäche dieser Komödien-Gattung, aber „American Wedding“ setzt sich fast darüber hinweg. Zwar muss nach dem Gesetz des inkrementierenden Schockeffekts in nahezu konstanten Abständen immer eine neue Obszönität folgen, sei es nun orale Befriedigung im Restaurant, vermeintliche Sodomie, Trüffelkot oder Stiflers Sex mit Jims Großmutter, aber zwischen den doch (relativ) zurückhaltend gesäten Derbheiten findet „American Wedding“ Raum für seine nach wie vor durch ihre simple Naivität sympathischen Figuren. Herz streut, wenn auch reichlich holprig, immer wieder kleine, stillere Momente von feiner Melancholie ein (etwa die immer noch komischen Gespräche zwischen Jim und seinem Vater) und das macht den Film letzten Endes liebenswerter als man vermutet hätte. Außerdem, und das muss auch gesagt werden, sind in Herz Drehbuch auch ein paar phantasievollere Gags gelandet und diese sollten durchaus honoriert werden. Sei es nun das abgefahrene Tanzduell zwischen Stifler und Bear in der Schwulenbar oder Stiflers überspitztes Geschleime gegenüber Michelles und Cadences Eltern. Überhaupt ist Stifler mal wieder der Star des Films und hat wohl die meiste Leinwandzeit und das ist angesichts Scotts pointiertem Overacting auch keine schlechte Entscheidung gewesen.

Trotz aller Sympathien, die die Figuren noch immer wecken mögen, sollte man aber dankbar sein, wenn „American Wedding“ der letzte Teil seiner Serie bleibt und Teenkomödien, deren einziges Ziel darin zu bestehen scheint, noch ekel erregendere Obszönitäten zu finden, so langsam aus der Mode kommen. Aber hier braucht man sich als prinzipieller Gegner etwaiger Filme wohl keine Sorgen machen: jede Erfolgssträhne nimmt einmal ein Ende und da nicht zuletzt die Kinoindustrie ein Erfolgskonzept äußerst schnell zu Tode zu filmen versteht, wird auch hier endlich mal ein Ende gefunden werden. Bleibt nur die Frage, ob man sich bei folgenden, vielleicht noch wesentlich niveauloseren Produkten, schnell wieder zur „guten“, alten Zeit der „American Pie“-Komödien zurücksehnen wird.

Gewohnt zotiger, dennoch sympathischer Auftritt der "American Pie"-Familie


Thomas Schlömer