Road to Perdition
(Road to Perdition, The)

USA, 116min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Sam Mendes
B:Max Allan Collins,Richard Rayner, David Self
D:Tom Hanks,
Jude Law,
Paul Newman,
Stanley Tucci,
Tyler Hoechlin
L:IMDb
„Söhne werden nur auf diese Welt gesetzt, um ihren Vätern Ärger zu bereiten.”
Inhalt
Amerika, im Winter 1931. Michael Sullivan (Tom Hanks) lebt, der Zeit der großen Depression zum Trotz, mit seiner Familie in bescheidenem Wohlstand. Nur wissen seine Frau und seine beiden Söhne nicht, womit ihr schweigsamer Vater sein Geld verdient: Er arbeitet als Killer für den Gangsterboss John Rooney (Paul Newman). Doch dann wird Sullivans älterer Sohn Michael jr. (Tyler Hoechlin) eines Nachts Zeuge, wie sein Vater einen Job erledigt – und Zeugen kann Rooneys Clan nicht brauchen. Sullivans Frau und sein jüngerer Sohn werden ermordet, er selbst und Michael jr. kommen nur durch Zufall davon. Gejagt von dem Auftragskiller Maguire (Jude Law) fliehen sie wochenlang quer durchs Land. Während Sullivan seinen Racheplan schmiedet, kommen er und sein Sohn sich langsam näher. Doch auch Sullivan kann den Tag nicht endlos hinzögern, an dem die Entscheidung fällt, ob er alleine auf seinem Weg in die Verdammnis weitergeht – oder ob Michael jr. ihn begleitet.
Kurzkommentar
"Road to Perdition" ist, auf den Punkt gebracht, Blendwerk. Hervorragende formale Qualitäten, insbesondere perfekte Photographie und auch ein für ungeübte Ohren beeindruckender Score stehen auf der Habenseite - und so ziemlich der ganze Rest auf der anderen.
Kritik
Ab sofort lasse ich Thomas meine Kritiken schreiben - perfekt hat er meine Einschätzung erraten.
In der Tat, "Road to Perdition" ist von einer handwerklichen Perfektion, die sich kaum sonst irgendwo im Hollywood-Kino finden läßt. Nur: Es hapert an der Story, und zwar gewaltig, es hapert an der Botschaft, und zwar gewaltig, und es hapert am Hauptdarsteller, und zwar gewaltig.

Die Geschichte an sich ist ja ganz nett: Gangster und Geballer, Vater und Sohn, Schuld und Sühne. Doch leider erschließt sich "Road to Perdition" die vorhandenen Möglichkeiten in keiner Weise.

Das Milieu, die Antriebe, das Schicksal der Gangster, die Stimmung und das Wesen der Zeit spielen nicht die geringste Rolle. Wo der "Pate" mit einem der genialste Anfänge aufwartet ("America is great...for business") herrscht bei Mendes' Film über die ganze Strecke gähnende Leere. Man kann ihm sicher nicht den Vorwurf machen, nicht an den "Paten" heranzureichen, zumal dies nicht sein Ziel war, die Möglichkeiten aber so vollkommen zu ignorieren ist ein unverzeihlicher Mangel, denn er kostet den Film die optisch so brilliant umgesetzte Athmosspähre.

Spoiler Als großes Vater-Sohn-Drama wurde "Road to Perdition" apostrophiert. Nun, die Beziehung zwischen Vater und Sohn entwickelt sich im Wesentlichen von Ignoranz durch den Vater hin zu Utilisierung des Sohnes. Er braucht ihn für seinen Rachefeldzug, und sein Sohn nimmt bereitwillig teil. Doch ich wette, dass Sullivan am Ende des Films immer noch keine Ahnung von den Hobbys seines Sohnes hat. Zwar nimmt die dialogische Wärme zu, doch diese wird konterkariert durch den Mangel an Vermittlung tauglicher Lebenskonzepte durch den Vater. Statt aus seinen Fehlern und dem Verbrechen, das Sullivan an seiner Familie begangen hat, zu lernen, fährt er unbeirrt auf dem gleichen Weg weiter. Irgendeine Art von Ausseinandersetzung zwischen Vater und Sohn, die das Label "Drama" rechtfertigen würde, findet jedenfalls nicht statt.

Bleibt die Botschaft, die uns mal wieder mit aller Gewalt vor den Latz geknallt wird, damit es auch der letzte versteht. In der Schlußszene, als alles schon vorbei zu sein scheint, wird dann endgültig abgerechnet: Alle Bösen müssen sterben, einschließlich Sullivan. Da aber der kleine Junge nicht so richtig böse ist, darf er überleben, weshalb Sullivan in einer letzten Röchel-Attacke den finalen Widersacher niederschießen muss - das erinnert doch arg an billige Action. Doch soweit, so primitiv amerikanisch. Unerträglich wird das Ganze durch die mythische Überhöhung; denn während sonst die dunklen Farben klar den Film dominieren, ist die (Fast-)Schlußszene in grellem Weiß gehalten. Damit beraubt sich "Road to Perdition" schließlich jedes letzten Restes auf Ernsthaftigkeit, ist es doch wiederum nur Vehikel einer seltsamen verqueren religiösen Moral, wie sie in den USA allzuoft anzutreffen ist. Spoiler

Anscheinend konnte Mendes dem Starappeal von Tom Hanks nicht wiederstehen - oder er hatte keinen Einfluß auf das Casting. Denn es ist kaum verständlich, wieso Tom Hanks, dem man keinesfalls einen Oscar, sondern höchstens die Steven-Seagal-Gedächtnis-Medaille verleihen sollte, in diesen Film kommt. Während er zunächst noch als wortkarger, harter Killer gefallen kann, ändert er diesen Gesichtsausdruck leider im Folgenden leider nur minimal zur üblichen Leidensfresse. Von Schau-Spiel-Kunst kann hier wahrlich nicht die Rede sein. Positiv fällt eigentlich nur Jude Law auf, der den perversen Auftragskiller sehr überzeugend gibt.

Wie gesagt, die formalen Qualitäten reichen nahe an die Perfektion - das wars dann aber auch.


Inhalts- und bedeutungsfreies Blendwerk auf höchstem technischen Niveau


Wolfgang Huang