Dämonisch
(Frailty)

USA, 100min
R:Bill Paxton
B:Brent Hanley
D:Bill Paxton,
Matthew McConaughey,
Powers Boothe,
Matthew O'Leary,
Jeremy Sumpter
L:IMDb
„Lobet den Herrn!”
Inhalt
Seit mehreren Jahren hält der so genannte "God`s Hand Mörder" das FBI auf Trab. Bislang fehlt von dem kaltblütigen Killer jede Spur. Um so verwunderter ist der für den Fall zuständige Agent Wesley Doyle (Powers Boothe), als ihm eines Tages ein junger Mann (Matthew McConaughey) gegenüber sitzt, der behauptet, den Killer zu kennen. Er holt bei seiner Schilderung weit aus und erzählt von seinem Vater (Bill Paxton), der angeblich vor über 20 Jahren durch eine göttliche Vision den Auftrag erhielt, auf der Erde wandelnde Dämonen zu vernichten. Später hätte dann sein Bruder diese "heilige" Mission übernommen. Zunächst hält Doyle den jungen Mann für einen Spinner. Doch in der absurden Story steckt mehr Wahrheit, als sich der FBI-Agent vorstellen kann.
Kurzkommentar
Bill Paxtons Regiedebüt kann als ambitionierter, atmosphärischer Mystery-Thriller gelten und ist als solcher durchaus den Eintritt wert. Ob die finalen Wendungen nicht zuviel des Guten sind und die Moral von der Geschicht' nicht einen Tick zu weit geht, mag durchaus bemängelt werden, an Unterhaltungswert büßt "Frailty" dadurch allerdings kaum ein.
Kritik
Regiedebüts etablierter Darsteller betrachtet das erfahrene Kinoauge immer etwas argwöhnisch, entpuppen sich doch viele Schauspieler vor der Kamera talentierter als dahinter. Gerade, wenn der- oder diejenige nicht mit beiden Funktionen im Filmbusiness aufgewachsen ist (wie etwa Orson Welles oder Roberto Benigni), können die Ergebnisse schnell in der hinteren Videotheken-Ecke enden. So hat Gary Oldmans Debüt "Nil by Mouth" kaum Beachtung, Ethan Hawkes "Chelsea Walls" kaum Fans und Alec Baldwins "The Devil and Daniel Webster" keine zusätzlichen Finanziers gefunden - trotzdem die Dreharbeiten schon abgeschlossen waren. Aber nicht nur Bill Paxton und sein Regiedebüt "Frailty" stehen im Mittelpunkt der Kategorie "Darsteller wird zum Regisseur". Im kommenden Kinojahr geben sowohl Denzel Washington mit "Antwone Fisher", Nicolas Cage mit "Sonny" als auch George Clooney mit "Confessions of a Dangerous Mind" ihre Regiedebüts und die ersten Stimmen sind durchaus positiv.

Man möchte behaupten, dass Bill Paxton mit "Frailty" den mutigsten Versuch unternommen hat, im Bereich der Regie Fuß zu fassen, denn ein glaubwürdiger Mystery-Thriller ist eine anspruchsvollere Aufgabe als etwa ein glattes Drama ("Antwone Fisher") oder eine lockere Actionkomödie ("Confessions of a Dangerous Mind"). So gesehen kann "Frailty", trotz seiner vorhandenen Schwächen, auf jeden Fall als gelungener Einstand gefeiert werden, denn Paxton vermischt eine wohltuende, ruhige Erzählweise mit einer guten, aber nicht übertriebenen Portion Mystery und religiösem Gefasel.

Handwerklich und strukturell ist sein Film nicht eben neu und schon gar nicht innovativ, aber Paxton ist sich dessen bewusst und hält sich mit schnellen Flashbacks, überzogenem Schnitt und Schockmomenten zurück. Auch sonst funktioniert der traditionelle Spannungsaufbau: eine Hauptfigur erzählt das Vergangene aus seiner Perspektive einem unbeteiligten Dritten (in Perfektion zu sehen in "Die üblichen Verdächtigen") und seine Stimme kommentiert das aktuelle Geschehen aus dem Off. Das gestaltet den Film einerseits interessant, andererseits erzeugt es ein gesundes Gefühl der Skepsis, denn wer sagt, dass der Erzähler die Wahrheit offenbart?

Vor allem aber kann "Frailty", dank der guten Fotografie Bill Butlers und des kongenialen Scores Brian Tylers, atmosphärisch überzeugen, was nicht zuletzt daran liegt, dass gut die Hälfte des Films nachts spielt und die Stimmung wunderbar eingefangen wird. Auch die Darsteller, ob nun McConaughey, Paxton selber oder seine beiden Kinder, wirken durchaus glaubwürdig. Warum McConaughey, der demnächst auch gänzlich untypisch in "Reign of Fire" als Drachenjäger zu sehen sein wird, immer noch das Image des untalentierten Weichkopfs anhängt, ist mir jedenfalls schleierhaft.

Problematisch wird "Frailty" erst dann, wenn die letzte Viertelstunde beginnt. Die etlichen Wendungen, auf die Paxton setzt, mögen auf dem Papier überraschen und funktionieren, auf der Leinwand nimmt das Geschehen jedoch mindestens eine Wendung zuviel. Abgesehen davon, dass nicht jeder Richtungswechsel überrascht, hat man das Gefühl, leicht veräppelt zu werden, derart oft möchte Paxton noch einen draufsetzen. Auch die Moral von der Geschicht' gibt Anlass zu gemischten Gefühlen: gewinnen nun die Bösen? Tun die Bösen doch nur Gutes? Bekämpft man Böses mit Bösem und ist das legitim? Oder ist am Ende doch alles Hollywood-konform und man kann guten Gewissens den Saal verlassen?

Wohl kaum, denn auch wenn Paxton eine durchaus bissige Pointe setzt, so bleibt der Ansatz fragwürdig. Man könnte fast meinen, Paxton habe zu oft M. Night Shyamalans "Unbreakable" gesehen und der theologisch-angehauchte Mystery-Anteil sei ihm noch nicht hoch genug gewesen. Das Element, die Sünden anderer durch Berühren zu erkennen, entspringt jedenfalls eindeutig Shyamalans Universum. Und doch kann "Frailty" größtenteils überzeugen: der Film bietet leise Spannung, gute Atmosphäre, passende Darsteller und eine ambitionierte Story. Dass nicht alles perfekt ist, ist klar und angesichts eines Regiedebüts zu verzeihen.

Etwas zu ambitionierter, jedoch spannender und teils böser Mystery-Thriller


Thomas Schlömer