Extreme Ops

England / Deutschland, 93min
R:Christian Duguay
B:Timothy Scott Bogart, Mark Mullin, Michael Zaidan
D:Devon Sawa,
Jana Pallaske,
Klaus Löwitsch,
Rufus Sewell,
Heino Ferch
L:IMDb
„You're C.I.A.? - Worse. Hollywood.”
Inhalt
Ein amerikanisches Stuntteam um Regisseur Ian (Rufus Sewell) macht sich auf die Reise nach Europa, um in Österreich einen actiongeladenen Werbefilm in Eis und Schnee zu drehen. Zunächst können sich die Snowboarder Kittie (Jana Pallaske) und Silo (Joe Absolom) auch nach Herzenslust austoben. Doch dann entdeckt das Filmteam in einem Versteck den todgeglaubten serbischen Kriegsverbrecher Pavle (Klaus Löwitsch). Und der will die zufälligen Augenzeugen keinesfalls lebend nach Amerika zurückkehren lassen.
Kurzkommentar
"Extreme Ops" ist der Actionfilm, den man von einem wenig viel versprechenden B-Movie Regisseur wie Christian Duguay erwarten konnte: das Drehbuch ist katastrophal, der Spannungsbogen nicht vorhanden, Inszenierung und Schnitt mehr als zweitklassig. Nur manche Darsteller und die ordentliche Photographie verdienen nicht das Prädikat "übel".
Kritik
Wenn Regisseur Christian Duguay im Spiel ist, sollte man als Zuschauer immer aufpassen. Sein bester Film ist wohl noch der unbekannte Thriller "The Assignment" mit Ben Kingsley, Aidan Quinn und Donald Sutherland und der war maximal "gut". Ansonsten liest sich seine Filmographie wie eine direkte Konkurrenz zu der Jean-Claude van Dammes oder Dolph Lundgrens: "Scanners III: The Takeover", "Racheengel in Leder", "Der Mutter entrissen" und zuletzt "The Art of War" mit Wesley Snipes. Da fragt man sich, was renommierte Darsteller wie Rufus Sewell ("Dark City"), Klaus Löwitsch oder von mir aus auch Heino Ferch dazu bewegen, in einem seiner Produktionen mitzuwirken - da muss das Drehbuch oder der Reiz, an einem Extremsport-Film teilzunehmen, schon mächtig überzeugend sein.

Ersteres kann es jedenfalls nicht sein, denn (wie bei allen Duguay-Filmen?) ist das Drehbuch aus der untersten Schublade: ein katastrophaler Spannungsbogen, 08/15-Dialoge, null Charakterentwicklung, langweilige Figuren. Nun ist es ja nicht so, dass ein Actionfilm in diesen Kategorien überdurchschnittlich ausgearbeitet sein müsste, um halbwegs Spaß zu machen (siehe die James Bond-Filme oder zuletzt "Triple X"), aber dann sollte wenigstens das Handwerk stimmen. "Extreme Ops" versagt aber leider in allen Bereichen.

Ein paar Beispiele gefällig? Zum einen vergeudet der Film zwei Drittel seiner Laufzeit damit, die Charaktere einzuführen und die eigentliche Drohsituation aufzubauen. Klaus Löwitsch als eindimensionaler Bösewicht Slobovan Pavle kommt währenddessen nur einmal kurz vor und darf nachher völlig unmotivierte Boshaftigkeit an den Tag legen (eine Schande, dass Löwitsch, der Anfang Dezember 2002 verstorben ist, mit so einer Rolle seine Filmkarriere beendet). Die eigentlich spannungsgebende Konfrontation unserer Truppe mit ihm wird dann in den letzten zwanzig bis dreißig Minuten abgehandelt - wie kann sowas unbemerkt in der Drehbuchphase durchgehen?

Dann die Action, selbstredend der wichtigste Part der Films: die Snowboard- und Skisequenzen vor Lawinenkulisse sind größtenteils hübsch eingefangen und halbwegs abwechslungsvoll. Dennoch sind sie bei weitem zu zahlreich, um dauerhaft spannend zu bleiben, sind die dramatischen Situation viel zu konstruiert, um glaubhaft zu wirken. Zudem leisten sich Duguay und sein Team eklatante, handwerkliche Schnitzer: kaum einem Zuschauer werden die Übergänge zwischen Studio- und Liveaufnahmen entgehen, nahezu jedem wird auffallen, wie spannungstötend Duguay beispielsweise den drohenden Absturz an der wegbrechenden Klippe geschnitten hat, die meisten dürften den ein oder anderen mäßigen Computereffekt bemerken. Weitere Anekdoten: Duguay glaubt wohl, mit fetzigem Musikbeat (der auch noch stereotypisch klingt) jede noch so simple Sequenz saucool, quasi "extrem" wirken zu lassen (hey, die Leute hier sind schließlich alle durchgeknallte Freaks). So wird selbst eine absolut spannungsarme Sequenz, in denen zwei unserer Protagonisten von zwei Hunden(!) "gejagt" werden, untermalt, als würde Triple X die Welt retten.

Das einzige, was "Extreme Ops", zumindest für deutsche Zuschauer des englischen Originals, unterhaltsam gestaltet sind die deutschen Akzente von Heino Ferch und Klaus Löwitsch. Jana Pallaske, sonst so idealistisch um andersartige Rollen bemüht, spricht ihre wenigen Sätze hingegen nahezu akzentfrei. Angesichts des Storyhintergrundes, der uns die Extremsportler als Werbetruppe verkauft und die ihren ideenlosen Spot einem leichtgläubigen Asiaten schmackhaft machen, kann man mit viel gutem Willen vielleicht noch annehmen, dass Duguay eine Prise Ironie mit in den Topf werfen wollte. Glauben tut's ihm aber keiner und deshalb schließen wir mit einem schönen Zitat Löwitschs: "When he's alive, I want to kill him".

Langweiliger Actionfilm, unprofessionell inszeniert


Thomas Schlömer