Meine Frau, die Schauspielerin
(Ma femme est une actrice)

Frankreich, 95min
R:Yvan Attal
B:Yvan Attal
D:Charlotte Gainsbourg,
Yvan Attal,
Terence Stamp,
Noémie Lvovsky,
Laurent Bateau
L:IMDb
„Obwohl es eine Komödie ist, ist alles wahr. Denn sie täuschen vor, etwas vorzutäuschen.”
Inhalt
Yvan (Yvan Attal) ist ein viel beneideter Mann. Der Sportjournalist ist mit der wunderschönen Charlotte (Charlotte Gainsbourg) verheiratet, einer berühmten Schauspielerin. Nur leider gehören zu ihrem Beruf auch Liebesszenen und damit hat der eifersüchtige Yvan zunehmend Probleme: Ist das alles wirklich nur gespielt oder betrügt ihn seine Frau tagtäglich vor der Kamera? Als Charlotte in London mit dem Frauenschwarm John (Terence Stamp) einen Film dreht, ist das für den gepeinigten Yvan zuviel.
Kurzkommentar
Eine ansehnliche Komödie deckt Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Yvan Attal uns hier auf, obwohl er in der zweiten Filmhälfte zu sehr ins (zu wenig gefestigte) Dramatische abrutscht. Dass der Film dennoch die meiste Zeit sympathisch und locker wirkt, liegt in erster Linie an den Darstellern und weniger an einer herausragenden Regieleistung. Für den beschwingten Abend zwischendurch reicht es aber allemal.
Kritik
Sein Film habe nichts Autobiographisches, behauptet Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Yvan Attal, aber alltägliche Ereignisse, die ihm und seiner Frau Charlotte Gainsbourg passieren, erleichtern die Drehbucharbeiten natürlich ungemein, so muss er zugeben. Trotzdem habe er Zweifel gehabt, ob das Vermischen von realen Erlebnissen und fiktionalen Ideen gut auf der Leinwand funktioniere, aber als er dann sein großes Vorbild Woody Allen in einem Interview hat sagen hören, dass er oftmals nur ein Sammelsurium an Ideen in einen Topf wirft und daraus einen Film bastelt, sei er beruhigt gewesen.

Denn der 37-jährige Yvan Attal ist nicht nur im Film mit Charlotte Gainsbourg verheiratet (übrigens die Tochter der französischen Musiklegende Serge Gainsbourg) und angesichts des realen Bezugs liegt der Verdacht natürlich nahe, Attal und Gainsbourg hätten einfach einen Teil ihres Lebens verfilmt. Inwieweit der Film nun semi-dokumentarisch ist oder nicht, spielt aber eigentlich keine Rolle, denn funktionieren muss die romantische Komödie ohne jegliche Vorkenntnis. Das tut sie in der ersten Hälfte denn auch wunderbar, auch wenn hier jegliches Konfliktpotenzial fehlt und der Film nur eine Aneinanderreihung von Gags scheint. Die Beziehnung der beiden ist glücklich und problemlos, beide lieben sich und ihren Beruf und man wohnt in der tollsten Stadt der Welt, Paris. Unruhe stiften eigentlich nur Yvans Schwester Nathalie und ihr Mann Vincent, die bald ein Kind erwarten und sich ob der jüdischen Abstammung Nathalies andauernd darüber streiten, ob ihr potenzieller Sohn beschnitten werden soll oder nicht.

Das Hauptthema des Films bleibt allerdings die Eifersucht Yvans (die ihm zunächst eingeredet wird) und der es plötzlich nicht mehr ertragen kann, seine Frau in ihren Filmen mit anderen Darstellern mehr oder weniger explizite Liebesszenen drehen zu sehen. Wie Yvan hier von einem Dritten mit der Nase aufs Offensichtliche gestossen wird ("Das beschäftigt mich eben") und trotz seiner sympathischen, lockeren Art damit zu kämpfen hat, dass er mit seiner Frau in einem Restaurant auch dann noch einen Tisch bekommt, wenn bereits alles reserviert ist, ist durchaus gewitzt umgesetzt und pointiert geschrieben.

Problematisch wird es erst als der Film seine komödiantischen Gefilde verlässt und ernsthaft auf die Charaktere eingehen möchte. Die Kriselei in Yvans und Charlottes Beziehung kommt ebenso zu spät wie diverse, konstruierte Zufälle nerven. Und das, obwohl man sich in romantischen Komödien ja mittlerweile daran gewöhnt haben sollte, dass Paare sich grundsätzlich beim Fremdgehen erwischen bzw. alle Peinlichkeiten aufgedeckt werden. Und wo man gerade noch kurz vor einer Trennung stand, findet man zum Schluss doch überraschend reibungslos und schnell wieder zueinander. Hätte sich der Film hier mehr aufs Komödiantische beschränkt und nicht noch unnötige Dramaturgie erzwungen, wäre es ihm eindeutig zu Gute gekommen.

Was bleibt ist dennoch eine recht ansehnliche, romantische Komödie mit wenigen brillanten, jedoch einigen guten Einfällen. Dass er dabei über die meiste Zeit vollkommen unbeschwert daherkommt, liegt vor allem an Autor Yvan Attal, der wunderbar zwischen Frustration und Ironie spielen kann. Inwieweit sich der "normale" Zuschauer allerdings mit seinen Problemen als Mann einer berühmten Schauspielerin identifizieren kann, bleibt fraglich.

Hübsche, letztlich doch uninteressante, romantische Komödie


Thomas Schlömer