Auf Herz und Nieren

Deutschland, 98min
R:Thomas Jahn
B:Jürg Brändli
D:Thierry Van Werveke,
Martin Glade,
Udo Kier,
Steffen Wink,
Niels-Bruno Schmidt
L:IMDb
„Ich war für Euch doch immer nur das vierte Rad am Wagen!”
Inhalt
Rico (Steffen Wink), Sigi (Martin Glade), Dave (Niels Bruno Schmidt) und Glotze (Thierry van Werveke) waren schon im Sandkasten gute Kumpel. Jahre später entwickeln sie einen genialen Plan – und haben ziemlich schnell ein Problem. Der Plan besteht darin, den Drogenboss Banko (Burt Reynolds) übers Ohr zu hauen – aber das ist nicht so einfach, wie sie denken. Nur einen einzigen Deal wollen sie abwickeln, um dann klammheimlich mit Bankos Geld zu verschwinden. Doch Glotze vermasselt alles. Das Geld ist weg, statt Kokain bleibt den Freunden ein Koffer voller Backpulver. Banko ist entzückt: Er gibt den Nachwuchsdealern fünf Tage Zeit, um seine Million wiederzubeschaffen. Was nun? Ein neuer genialer Plan muss her!
Kurzkommentar
Mit "Auf Herz und Nieren" verpassen Thomas Jahn und Til Schweiger leider einen würdigen Nachfolger für ihre Erfolgskomödie "Knockin' on Heaven's Door" von 1997 auf die Beine zu stellen, denn neben Dialogdefiziten ist es vor allem der Gagmangel, der "Auf Herz und Nieren" zu schaffen macht. Hauptdarsteller Thierry van Werveke und die solide Inszenierung retten den Streifen aber noch vor aufkeimender Langeweile.
Kritik
Mit "Knockin' on Heaven's Door" gelang Regisseur Thomas Jahn anno 1997 wohl eine der besten "Mainstream"-Komödien, die das deutsche Kino bislang hervorgebracht hat. Munter brachte er dank klischeehafter Nebencharaktere sowie pseudo-dramatischem Plot Hollywood-Schemenhaftigkeit in die deutsche Produktionslandschaft, bewies dabei aber sein Händchen für ungezwungene Inszenierung, gute Darsteller und pointierte Gags. Sein zweiter Film "Kai Rabe gegen den Vatikankiller" hingegen vereinte die damalige Crème-de-la-Crème des deutschen Kabaretts und Schauspiels, war als schwarze Komödie aber leider nur bedingt zu gebrauchen. Und leider ist in seinem dritten Kinofilm "Auf Herz und Nieren" mehr von der Schwarzhumorigkeit des Kai Rabe zu finden als von der Lässigkeit eines "Knockin' on Heaven's Door".

Ursprünglich war "Auf Herz und Nieren" gar nicht auf der Regieliste Thomas Jahns, sondern auf der seines Kumpels Til Schweiger. Jahn plante damals eine Verfilmung des Romans "A Boy and his Dog" von Harlan Ellison, ein vorläufiges Drehbuch existierte bereits. Leider ist Ellison dann doch abgesprungen und so tat sich ein großes Loch in Jahns Alltagsplanung auf. Als Schweiger sich dann nicht mehr richtig um "Auf Herz und Nieren" kümmern konnte, weil er es für besser hielt, mit Renny Harlin "Driven" zu drehen (Patsch!), sprang Jahn für ihn ein. Angesichts der gar nicht mal schlechten Grundidee für eine Komödie versprach aus "Auf Herz und Nieren" somit ein ansehnlicher Film zu werden, doch leider ist das Drehbuch letztendlich zu schwachbrüstig, um den Streifen wirklich unterhaltsam zu machen.

Darsteller, Inszenierung, Optik, Handwerk, Musik, das alles stimmt bei "Auf Herz und Nieren" soweit. Das eigentliche Problem liegt etwas tiefer: der Streifen ist einfach nicht witzig genug. Natürlich will "Auf Herz und Nieren" keine billige Gagkanone sein wie etliche amerikanische (und zuletzt auch deutsche) Vorbilder und das ist auch gut so, aber der etwas subtilere, schwärzere Humor zieht insgesamt zu selten. "Auf Herz und Nieren" will durch abgedrehte, stupide oder auch comichaft-freakige Charaktere unterhalten, aber da er in dieser Disziplin gegen Genre-Primuse wie Quentin Tarantino oder Guy Ritchie antreten muss und sich in keiner Weise von diesen abgrenzen kann, unterliegt er leider und wirkt etwas altbacken und invationsarm. Ein paar alte Freunde und ihre Geldprobleme wurden schon in diversen Filmen thematisiert und die wenigen guten Einfälle, die "Auf Herz und Nieren" nun von seinen Vorbildern abheben könnte, lassen sich an einer Hand abzählen. Organhandel und eine dahinterstehende Mafia ins Spiel zu bringen hat sicherlich Potenzial - ebenso wie die Storyline um die Kirche und den Papst (vielleicht der gelungenste Gag). Leider plätschert der Rest zu witzfrei umher und auch die Dialoge sind längst nicht so spritzig wie noch in Jahns Vorgängerfilm oder auch bei der nationalen Konkurrenz in Form von "Bang Boom Bang". Das ist durchaus Schade, denn an einem guten Cast sowie handwerklichem Geschick hat es hier nicht gemangelt.

Damit wären wir auch bei den positiven Aspekten des Streifens angelangt: die Darstelleransammlung kann sich vor allem dank einiger kleinerer Rollen durchaus sehen lassen. Axel Schulz nimmt sich als tumber Handlanger selbst aufs Korn und Xavier Naidoo nimmt seinen Auftritt als Inder Shalaman (übrigens eine Anspielung auf "Sixth Sense" und "Signs"-Regisseur M. Night Shyamalan) ebenfalls ironisch. Daneben gibts noch Udo Kier als Darth Frankenstein, Burt Reynolds als Badguy No.1 und Jochen "Snake" Nickel als Badguy No.2.

Von den vier Kollegen kann sich hingegen nur Thierry Van Werveke hervorheben. Selten hat einer den liebenswerten Naivling derart sympathisch verkörpert wie Werveke. Seine Rolle und sein Schauspiel ist das, was den Film letztlich zusammenhält und irgendwo noch sehenswert macht. Angesichts seines ehrlichen Spiels und Jahns gutem Gespür für die nicht übertrieben-sentimentalen, ernsthafteren Momente des Films lassen deshalb desöfteren Enttäuschung über das verschenkte Potenzial dieser Komödie aufkommen.

Liebenswerte, handwerklich ordentliche Komödie mit Ideenmangel


Thomas Schlömer