Große Diktator, Der
(Great Dictator, The)

USA, 124min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Charles Chaplin
B:Charles Chaplin
D:Charles Chaplin,
Jack Oakie,
Reginald Gardiner,
Henry Daniell,
Billy Gilbert
L:IMDb
„I'm sorry but I don't want to be an emperor. That's not my business. I don't want to rule or conquer anyone.”
Inhalt
Der schreckliche Diktator Adenoid Hynkel (Charles Chaplin) herrscht über Tomanien; ein Land, in dem die Juden verfolgt werden und in dem es KZs gibt. Nach der Besetzung des Nachbarlandes Austerlich mehrt sich der Widerstand. Organisiert wird dieser von Offizier Schultz (Reginald Gardiner), viel wichtiger wird aber ein dem Ghetoos entflohener jüdische Friseur (ebenfalls Charles Chaplin). Dieser hat nämlich eine Gemeinsamkeit mit Hynkel: Er sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Zunächst nimmt dieser das kaum wahr, nachdem es ihm aber bewußt wird, klaut er eine Uniform und spielt den Part als "großer Diktator". Dabei hat er doch nur ein kleines Ziel: Er will mit seiner Freundin Hannah (Paulette Goddard) wieder in Frieden leben.
Kurzkommentar
Chaplins allzubekannte Satire auf das Nazi-Regime hängt etwas unausgewogen zwischen reiner Komödie und scharfer Kritik. Der Film, dessen Entstehung bis ins Jahr 1935 zurückgeht (und damit belegt, dass Chaplin sehr früh die Bedrohung durch die Nationalsozialisten erkannte), weil Chaplin erhebliche Probleme hatte, eine angemessene Form für seine Parodie zu finden, gibt sich teilweise brüllend komisch, teilweise verdammt ernst. Während Chaplin in der ersten Hälfte seines ersten, vollständigen Tonfilms das Augenmerk auf seinen typischen Humor legt, wird der Film zunehmend argwöhnischer: das Leiden der Juden könnte Vorbild für "Schindlers Liste" gewesen sein, die Charakterisierung Diktator Hynkels ist nur oberflächlich humorvoll (man achte in seinem sinnlosen Deutsch auf Sprachfetzen wie "Wiener Schnitzel"). Dennoch trifft der Film, trotz seines Alters, erstaunlich zielsicher den richtigen Ton, Hitler zu parodieren (der kleine Napoleon-Verschnitt, der mit der Weltkugel spielt) ohne die Ernsthaftigkeit seines Themas zu missachten.
(Thomas Schlömer)