Königreich für ein Lama, Ein
(Emperor's New Groove, The)

USA, 74min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Mark Dindal
B:David Reynolds
D:Michael Herbig,
Elke Sommer,
Reinhard Brock
L:IMDb
„Boom Baby”
Inhalt
Fun und Groove bestimmen das Leben des abgefahrenen, eitlen und arroganten Herrschers Kusco im Mega-Palast inmitten des geheimnisvollen Bergkönigreichs. Bis sein schönes Yuppiedasein eine plötzliche Wendung nimmt: Aus Herrschsucht und Machthunger verwandelt Isma, seine durchgeknallte Beraterin, ihn ausgerechnet in ein schnödes Nutztier: Kusco wird zum Lama! Aus dem Palast verschleppt trifft Lama Kusco auf den herzensguten Bauern Patscha. Er bietet Lama Kusco die einzige Möglichkeit zurück in seine Luxushütte zu finden. Das ungleiche Paar macht sich also auf: unüberwindbare Wasserfälle, Pumaherden, Isma auf Verfolgungsjagd und vor allem aber ihre völlig unterschiedlichen Lebenseinstellungen machen die Reise für beide unvergesslich. Kuscos Sicht der Welt -bisher voller Luxus und Rücksichtslosigkeit- wird kräftig durcheinander gewirbelt.
Kurzkommentar
Erstaunlich, wie leicht und locker Mark Dindal und sein Team den großen Disney-Produktionen die Schau stehlen und mit "Ein Königreich für ein Lama" ein beherztes und in allen Belangen liebenswürdiges Zeichentrickabenteuer auf die Beine stellen. Selbst Michael Herbig von der Bullyparade macht hier als Synchronsprecher von Kusco eine gute Figur und sorgt mit für ein wirklich rundes Filmerlebnis.
Kritik
Wie in einem Interview mit Produzent Randy Fullmer auf Cinebiz.de zu lesen ist, war die Entstehung von "The Emperor's New Groove", so der Originaltitel, eine einzige Katastrophe. Zwei Jahre habe man an dem Film gewerkelt, bis man schlußendlich merkte, daß die Figuren nicht richtig harmonieren wollten. Umso glücklicher schätze man sich, daß Disney die Geduld aufbrachte, das Team um Regisseur Mark Dindal weiterhin zu unterstützen - damit auch nur der Film entsteht, den man sich schon immer vorgestellt hat. Und so werkelten die Mannen um Dindal ein weiteres Jahr an "Ein Königreich für ein Lama", schmissen schon fertige(!) Songs von Sting(!) raus und peppten das Geschehen gehörig auf. Gott sei Dank kann man nach Besuch des Films nur sagen.

"Ein Königreich für ein Lama" entpuppt sich nämlich als spritziger, gagreicher und nicht zuletzt selbstironischer Trickfilm. Dabei steht endlich mal keine Liebesgeschichte im Vordergrund, wie man es sonst von Disneyproduktionen gewohnt ist, sondern das reine Abenteuer, welches die beiden ungleichen Kumpanen durchstehen müssen - eine Art Buddy-Movie im Zeichentrickgewand. Dabei fällt es schwer, genau auszumachen, was für den Charme dieser Komödie verantwortlich ist. Irgendwie passt hier alles wunderbar zusammen: die Charaktere sind herzallerliebst, das Tempo wohldosiert, die Gags wirklich nett und die Musik tut ihr Übriges. Seit "Toy Story 2" gab es nicht mehr so viel zu lachen. Obwohl dessen Genialität sicherlich unerreicht bleibt, wirkt "Ein Königreich für ein Lama" dank seines altmodischen Zeichentrick-Looks noch einen Tick sympathischer. Und außerdem kann das Lama mit einem der witzigsten Charaktere der letzten paar Jahre auftrumpfen: der treudoofe Handlanger Kronk als Herkules-Verschnitt ist derart liebenswürdig und naiv, daß es zum Kugeln ist. Statt seiner Gebieterin Isma zu helfen, geht er lieber kochen, beherrscht dank vorbildlicher Pfadfinderausbildung jeden Eichhörnchendialekt und hat trotz dieser Eigenschaften eine markant-tiefe Männerstimme, die jeden Macho neidisch werden läßt.

Das Tüpfelchen auf dem i ist aber der selbstironische Charakter, den die Produzenten "Ein Königreich für ein Lama" verleiht haben: die Einfälle, diverse typische Trickelemente aufzugreifen und sie zu ironisieren, sind wirklich herrlich. So können Isma und Kronk bei einer Verfolgungsjagd ihren eigenen gestrichelten Pfad beobachten (der üblicherweise Indiana-Jones-like auf einer Landkarte angezeigt wird) oder der komplette Film wird zwischendurch angehalten, um zu erklären, wer denn jetzt wo ist. Zugegeben, teilweise wirkt das etwas zuviel des Guten, aber die sonst so liebevollen Einfälle überschatten die wenigen Schwachpunkte völlig. Und bei soviel Liebenswürdigkeit verzeihen wir "Ein Königreich für ein Lama" auch die etwas schludrig eingespielten Songs zu Beginn und zum Ende des Films. Statt Tom Jones singt bei uns nur Nino de Angelo die von Sting frisch komponierten Songs. Immerhin wird das flotte Tempo zwischendurch nicht von störenden Gesangseinlagen unterbrochen.

Äußerst sympathisches, flottes Trickabenteuer


Thomas Schlömer