American Outlaws

USA, 94min
R:Les Mayfield
B:Roderick Taylor, John Rogers
D:Colin Farrell,
Scott Caan,
Ali Larter,
Gabriel Macht,
Gregory Smith
L:IMDb
„Lasst uns reiten!”
Inhalt
Ende des amerikanischen Bürgerkrieges: Jesse James (Colin Farrell), sein Bruder Frank (Gabriel Macht) und die Gebrüder Cole (Scott Caan, Gregory Smith) haben den Krieg als Farmersjungen begonnen und beenden ihn als Männer. Doch die Wiedersehensfreude mit den Familien und Jesses Jugendliebe Zee (Ali Larter) in Liberty, Missouri, wird erheblich durch die Machenschaften eines Eisenbahnbarons gestört, der den Farmern für seine Strecken ihr Land entwenden will – notfalls mit Gewalt, ausgeübt durch die Schergen des Privatsheriffs Allan Pinkerton (Timothy Dalton). Als sich die James-Familie weigert und die Selbstjustiz der Pinkerton-Leute mit Witz und Wagemut kontert, hat Jesse zwar die Leute der Gegend auf seiner Seite – doch nachdem seine Mutter Opfer eines Angriffes der Gegenseite wird, beginnen Jesse und seine Jungs als James-Younger-Gang einen Privatkrieg mit übermächtigen Gegnern und schlagen als brillante Bankräuber- Bande zunächst dort zu, wo Pinkertons und andere reiche Pinkel am empfindlichsten sind. Doch während der Reichtum der Bahnbosse schmilzt und Jesses Ruf als charismatischer Desperado wächst, steigt auch sein Kopfgeld – ganz zu schweigen vom Hass und Neid seiner Gegner.
Kurzkommentar
Regisseur Les Mayfield ("Der Diamantencop") misslingt mit seinen zaghaften Versuchen bei "American Outlaws" zwar völlig die Modernisierung eines Genres, aber sein harmloses Actionabenteuer entwickelt genügend Charme, um über diesen an sich gnadenlosen Fehltritt doch noch recht problemlos hinwegsehen zu können.
Kritik
Die Intention und die Bereitwilligkeit der Geldgeber, den guten alten Western nochmal auszupacken (und dazu noch die bereits 538mal erzählte Geschichte um Jesse James) und ihn erneut in die Kinos zu bringen, ist bei "American Outlaws" wohl allein darin begründet, mit einer grundfrischen Renovierung und Modernisierung des Genres ähnlich gute Kassenerfolge erzielen zu können wie seinerzeit "Romeo + Julia" oder auch "Ritter aus Leidenschaft". Sowohl Absicht als auch Erfolg sind bei "American Outlaws" allerdings gründlich in die Hose gegangen und das trotz "jugendlicher" Besetzung. Warum ist eigentlich ganz einfach: Regisseur Les Mayfield ("Flubber", "Der Diamantencop") und die Produzenten waren bei der Frischzellenkur einfach zu zaghaft. Ihre Versuche, den Film und das Genre des Westerns ebenso in die Neuzeit zu transportieren wie jüngst bei etlichen Shakespeare-Dramen geschehen, sind derart schüchtern und inkonsequent, dass es fast schon wieder bemitleidenswert ist.

Da wird zu Beginn des Films vorsichtig ein Song von Moby eingestreut, um den Bildern einen modernen Touch zu verleihen, lockere Generation X-Sprüche der 90er eingeworfen, um die Teenie-Gang furchtlos, gefasst und nicht zuletzt hammercool wirken zu lassen und dem Hauptcharakter Jesse James ein Doppel-Pistolenhalter auf dem Rücken spendiert. Junge Junge, das ist vielleicht frech inszeniert.
Nein, meine Herren, mit derartigen "Kunststückchen", ein paar eingeworfenen Shakespeare-Versen sowie ungezwungenen Sprüchen über Jesus, unseren Herrn, ist in der Kinowelt kein Preis für gelungene Popkultur-Umsetzung zu gewinnen. So gesehen ist "American Outlaws" ein fast schon anrührend harmloser Versuch, dem Western eine neue Komponente abzugewinnen. Und dennoch ist der Film irgendwie charmant, liebenswert und nicht zuletzt halbwegs kurzweilig.

Woran liegts? Zum einen wäre da der größtenteils gelungen zusammengewürfelte Cast: Colin Farrell, dessen Hollywood-Einstieg mit Joel Schumachers Kleinod "Tigerland" kaum gelungener hätte ausfallen können (demnächst ist er in Spielbergs "Minority Report" zu sehen), wird hier als Jesse James nicht wirklich etwas abverlangt, besitzt aber eben ausreichend Charisma, um den Helden mühelos mimen zu können. Zu ihm gesellen sich so sympathische Nebencharaktere wie sein Bruder Frank (heimlicher Star des Films: Gabriel Macht) oder seine Jugendfreundin Zee (selten so hübsch: Ali Larter). Deren Lovestory könnte gröber und hölzerner kaum sein, aber das passt irgendwie zum Gesamtanspruch des Films, der nicht mehr bieten möchte als sechs Jungs, die völlig problem- und abwechslungsfrei ein paar Banken ausrauben und zwischendurch den ein oder anderen lockeren Spruch loslassen.

Dass sich die amerikanische Kritik hier einig war, man könne oft nicht zwischen gewollter und unfreiwilliger Komik unterscheiden, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es ist viel mehr so, dass der Film nun mal Fast-Food-Kost der allerleichtesten Sorte ist und sein möchte und von daher wirkliches Ärgernis über derartige Anspruchslosigkeit kaum fruchten kann. Man nehme nur mal die Rolle Timothy Daltons: selbst er ist nicht der übliche Bösewicht, sondern kann ein verschmitztes Lächeln und seine heimliche Bewunderung über Jesse James selten zügeln. Genau diese Sympathie, die in fast jedem Charakter steckt, macht den Film, allen objektiven Kritikpunkten zum Trotz, letztlich noch zu angenehmer Abendunterhaltung.

In der Modernisierung seines Genres gescheitert, aber dennoch recht charmant


Thomas Schlömer