Spider-Man

USA, 114min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Sam Raimi
B:Stan Lee,David Koepp
D:Tobey Maguire,
Willem Dafoe,
Kirsten Dunst,
James Franco
L:IMDb
„Power, beyond your wildest dreams”
Inhalt
Er ist ein ganz normaler Junge: Peter Parker (Tobey Maguire) lebt im New Yorker Stadtteil Queens und liebt Fotos. In der Schule ist er Außenseiter, seine Liebe gehört sein Kindertagen der Nachbarin Mary Jane Watson (Kirsten Dunst). Doch mit Spinnebiss ändert sich Peter radikal und nachdem sein Onkel ermordert wird, widmet er seine übermenschlichen Fähigkeiten dem Kampf gegen das Verbrechen. Noch ahnt er nicht, dass sein größter Gegner aus seinem direkten Umfeld kommen wird: der Großindustrielle Norman Osborn mutiert nach einem Experiment zum mit ebenfalls übernatürlichen Kräften ausgestatten grünen Kobold. Nur Spider-Man kann ihn aufhalten.
Kurzkommentar
"Spider-Man" dürfte die Massen dank des charismatischen Helden und der gewitzten, durchaus selbstironischen, ersten Stunde sicher begeistern, aber wer nur einen Tick mehr vom rot-blauen Superhelden erwartet, wird enttäuscht sein. Die Dramaturgie ist (wie sicher zu erwarten) 08/15, aber dass der Streifen nach seinem frischen Beginn derart schemenhafte Züge annimmt, lässt doch einen bitteren Nachgeschmack zurück.
Kritik
Da ist er nun, der arachnoide Superheld und bringt alles mit, was man von einem Sommer-Blockbuster wohl erwarten darf - Action, Romantik, Witz, Spannung, Seele. Zumindest auf Hollywood-Niveau. Und doch ist man nicht zufrieden.
Woran liegts? Nun, es mag angesichts des Comic-Hintergrundes von "Spider- Man" ungerecht klingen, aber nach einer wirklich spaßigen ersten Hälfte entpuppt sich Hollywoods neuester Goldesel als ebenso langweilig- schematisch wie jeder andere Actionfilm. Nachdem nämlich der erfrischende und äußerst unterhaltende "Ich entdecke meine Kräfte und trainiere sie"-Teil hinter uns liegt, folgt der übliche Build-Up zum Showdown und die anschließende Ausführung. Hier nervt Spider-Man mit seiner Formelhaftigkeit ungemein, denn nach anfänglicher Selbstironie (der Held wird sogar in U- Bahn-Stationen besungen) bekommen wir hier nur uninspirierte Actionkost vorgesetzt. Dabei wird das vermeintlich interessanteste Spannungselement fast vollständig erwürgt: wo Held und Bösewicht sich in ihren Rollen bis aufs Äußerste bekämpfen, sind sich die dahinterstehenden, menschlichen Figuren Peter Parker und Norman Osborn geradezu freundschaftlich bekannt. Das ist ein (für den Nicht-Kenner der Comicvorlage) ungeahnt-cleveres, dramaturgisches Element, wird von Regisseur Sam Raimi doch leider nur sehr nebensächlich behandelt.

Weiterhin kann natürlich der Green Goblin in einer Realverfilmung nur schwerlich überzeugen und so passiert das Naheliegendste: der Bösewicht wirkt billig und lächerlich, in doppeltem Sinne künstlich und durch die große (weil durch die Schizophrenie begründete) Distanz zum Menschen Osborn leider äußerst uncharismatisch. Glücklicherweise ganz im Gegensatz zu Tobey Maguire als Spider-Man: dank der gewitzten Transformation von Peter Parker zum rot-blauen Superhelden (die wir sogar soweit miterleben dürfen, dass Parker sich mit Hilfe eigener Zeichnungen selbst zum Superhelden macht), fällt es dem Zuschauer sehr leicht, sich mit ihm zu identifizieren. Maguire macht uns das in dieser für ihn ungewohnten Rolle aber auch nicht schwer, denn sein Schmusebär-Gesicht bildet einen schönen Kontrast zum coolen Spinnengesicht.

Auch sonst gibt es eigentlich nicht wenig Positives zu entdecken: Mary Janes Rolle ist, trotzdem hier zwei Comiccharaktere zu einem verdampft wurden, nicht zuletzt dank Kirsten Dunst in seiner Simplizität gerade noch erträglich, Tante und Onkel Parker liebenswürdig genug und J.K. Simmons als Redaktionsmonster des "Daily Bugle" die Köstlichkeit schlechthin. Auch die vielgescholtenen, ach-so gummiartigen Special-Effects wussten zu gefallen und Danny Elfmans Musik, trotzdem sie ein knackiges Hauptthema vermissen lässt, sowieso.

Es bleibt jedoch die unnötig-ernsthafte, formelhafte zweite Hälfte des Films, die so manchem Zuschauer die Laune verderben kann. Die Action mag hier ebenfalls ganz nett sein, aber wenn sich der Green Goblin und Spider-Man am Ende gegenüber stehen und mit den üblichen One-Linern bekämpfen ist jegliche Frische der ersten Hälfte verflogen und Langeweile macht sich breit. Das ist äußerst schade um den ansonst überraschend um Inspiration und Herz bemühten Film, den Regisseur Sam Raimi trotz allem recht ordentlich auf die Beine gestellt hat.

Nicht ohne Spaß, aber letztlich doch zu formelhaft


Thomas Schlömer